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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 78. Band, (Jahrgang 1874)

Lotts  Kritik  der  Herbart’schen  Etliik  und  Herbarts  Entgegnung.

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stand  sind  die  Principien  selbst.  Denn  so  wichtig  die  Frage,
wie  man  die  Principien  finden  könne  und  suchen  solle  (die
Frage  der  Einleitung)  für  denjenigen  ist,  der  dieselben  noch
nicht  kennt:  so  wenig  hat  die  Frage  zu  bedeuten,  nachdem
die  Principien  einmal  gefunden  sind  und  offen  vor  Augen
liegen.
Dass  es  eine  unmittelbare  Werthbestimmung  des  Willens
gibt,  liegt  vermöge  der  entwickelten  praktischen  Ideen  vor
Augen.  Da  es  eine  solche  gibt,  so  fordert  die  Logik,  dass
man  dieselbe  nicht  mit  den  mittelbaren  vermenge.  1
Der  eigentliche  Vorwurf,  welchen  die  Wissenschaft  dem
Eudämonismus  (einer  falschen  Lehrart)  macht,  besteht  darin,
dass  er  die  verschiedenen  Motive  der  Entschliessungen  vermengt ­
  hat,  und  dass  dadurch  das  Bewusstsein  der  unmittelbaren ­
  Werthbestimmungen  des  Wollens,  welche  selbst  Motive
(und  zwar  die  vornehmsten)  werden  sollen,  verwirrt  und  verdunkelt ­
  worden  ist.  Daher  besteht  bei  Platon,  bei  den  Stoikern,
bei  Kant,  das  Wesentliche  der  Bemühung  darin,  das  Verworrene ­
  zu  reinigen  und  deutlich  hinzustellen.  Eben  dazu  dient
die  Sonderung  der  praktischen  Ideen,  welche  sich  bei  jenen
unter  einander  verwirren  und  verdunkeln.  Sobald  diese  Sonderung ­
  geschehen,  hört  der  Eudämonismus  d.  h.  jene  Verwirrung ­
  auf;  die  Fragen  aber,  welche  ihm  noch  übrig  bleiben  sollen, ­
  fällen  in  die  Tugendlehre,  wo  wir  sie  lassen  wollen.
Keine  Wissenschaft  aber  hat  ein  solches  Licht,  welches
in  alle  Köpfe  leuchtete.  Die  Mathematik,  mit  aller  ihrer  Evidenz, ­
  belehrt  nur  einen  sehr  kleinen  Theil  der  Menschen;  sie
bekümmert  sich  aber  auch  nicht  um  die  Menge.  Ebenso  bekümmern ­
  wir  uns  nicht  um  Skeptiker,  Mystiker  u.  s.  w.,  auch
nicht  um  die,  welche  bei  Personen,  Blumen  u.  s.  w.  stehen
bleiben,  als  ob  sie  im  Dunkeln  lesen  könnten.  Ebenso  wenig
um  den  fälschen  Sprachgebrauch,  nach  welchem  oft  genug  ist
gesagt  worden,  die  ästhetischen  Urtheile  bezeichneten  eine
Species  der  Lust  und  der  Unlust,  als  ob  diese  Worte  statt  der
allgemeinen  Ausdrücke  Vorziehen  und  Verwerfen  dienen
könnten.  Wer  die  Worte  Lust  und  Unlust  nicht  in  der  Psychologie ­
  besser  zu  brauchen  weiss,  dem  mag  man  sagen,  er

i

Vgl.  oben  Anmerkung  4,  pag.  160.

Der  Herausg.
            
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