Lotts Kritik der Herbart'sclien Ethik und Herbarts Entgegnung.
173
wie sie doch vom Begriffe der Gesellschaft gefordert wird; 1
selbst völlige Identität der Gesinnungen . . . ergäbe nur einen
Haufen gleicher Exemplare! Und Zusammenhang durch
(gemeinere und edlere) Bedürfnisse zeigt auch wieder der
Markt. 2 Aber ohne bestimmten Begriff der gesellschaftlichen
Persönlichkeit wird z. B. die Gesellschaft stets nur als
Mittel für die (sittlichen oder gemeinen) Zwecke 3 der Individuen,
aus denen sie besteht, behandelt werden können. (So
wird auch unter den Juristen gestritten, ob es nicht bloss
(stets) Tropus oder Fiction sei, wenn von irgend einem andern
als physischen Subjecte der Rechte die Rede sei?)
Aus dieser Unbestimmtheit entspringen w T ohl auch die
zwei weiteren Fragen: 1. wie passt zur gesellschaftlichen Einheit
die Anwendung von Ideen, deren Voraussetzung eben
eine Mehrheit von Personen . . . .? Wiefern eben Gesellschaft
gedacht wird, ebensofern wird nicht an die Geschiedenheit
gedacht in mehrere Personen, zwischen denen
Wohlwollen, Recht, Billigkeit oder deren Gegentheile Statt
finden möchten; und umgekehrt: Wiefern diese Geschiedenheit
ins Auge gefasst wird, ebensofern wird die Mehrheit
nicht als Eins, nicht als Gesellschaft aufgefasst. — 2. Könnte
nicht für die platonische Behandlung 1 gesagt werden, es sei
' ,Es kann Einer in mehreren Gesellschaften zugleich sein, sofern er die
Leistungen, welche ihm für das gemeinsame Werk einer jeden obliegen,
ohne Verwirrung zu vollbringen vermag. Den Collisionsfiillen kann eine
bestimmte Unterordnung der mehreren eingegangenen Verbindungen abhelfen.
1 Herbart, a. a. O. S. 129. Der Herausg.
2 ,Ward der allgemeine Wille durch Gegenstände bestimmt, nach denen
zu streben in den Naturbediirfnissen jedes Menschen begründet ist, —
stützt man sich auf die sogenannten wahren Interessen des Menschen,
so entblösst sich immer mehr und mehr der Verkehr, der die Hülle der
Gesellschaft borgte, und der Niemanden bewegen wird, sich nach den
Gesetzen des allgemeinen Marktes länger zu richten, als er es für gut
findet. 1 a. a. 0. Der Herausg.
3 Wie es bei Herbart geschieht, a. a. 0. S. 128. Der Herausg.
4 ,Es wäre der erste Fehler, 1 so heisst es in dem letzten von der beseelten
Gesellschaft handelnden Capitel des 1. Buches (a. a. 0. S. 102),
,der hier begangen werden könnte, wenn man (gemäss der unvollkommenen
Darstellung des atheniensischen Weisen) die Einsicht, die Stärke,
die Haltung, durch drei gesonderte Classen der Mitglieder des Vereins
bezeichnen wollte. Alsdann vernimmt zwar der Denker die Harmonie der