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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 78. Band, (Jahrgang 1874)

Lotts  Kritik  der  Herbart'sclien  Ethik  und  Herbarts  Entgegnung.

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wie  sie  doch  vom  Begriffe  der  Gesellschaft  gefordert  wird;  1
selbst  völlige  Identität  der  Gesinnungen  .  .  .  ergäbe  nur  einen
Haufen  gleicher  Exemplare!  Und  Zusammenhang  durch
(gemeinere  und  edlere)  Bedürfnisse  zeigt  auch  wieder  der
Markt. 2  Aber  ohne  bestimmten  Begriff  der  gesellschaftlichen
Persönlichkeit  wird  z.  B.  die  Gesellschaft  stets  nur  als
Mittel  für  die  (sittlichen  oder  gemeinen)  Zwecke 3  der  Individuen, ­
  aus  denen  sie  besteht,  behandelt  werden  können.  (So
wird  auch  unter  den  Juristen  gestritten,  ob  es  nicht  bloss
(stets)  Tropus  oder  Fiction  sei,  wenn  von  irgend  einem  andern
als  physischen  Subjecte  der  Rechte  die  Rede  sei?)
Aus  dieser  Unbestimmtheit  entspringen  w T ohl  auch  die
zwei  weiteren  Fragen:  1.  wie  passt  zur  gesellschaftlichen  Einheit ­
  die  Anwendung  von  Ideen,  deren  Voraussetzung  eben
eine  Mehrheit  von  Personen  .  .  .  .?  Wiefern  eben  Gesellschaft ­
  gedacht  wird,  ebensofern  wird  nicht  an  die  Geschiedenheit
  gedacht  in  mehrere  Personen,  zwischen  denen ­
  Wohlwollen,  Recht,  Billigkeit  oder  deren  Gegentheile  Statt
finden  möchten;  und  umgekehrt:  Wiefern  diese  Geschiedenheit
  ins  Auge  gefasst  wird,  ebensofern  wird  die  Mehrheit
nicht  als  Eins,  nicht  als  Gesellschaft  aufgefasst.  —  2.  Könnte
nicht  für  die  platonische  Behandlung  1  gesagt  werden,  es  sei

'  ,Es  kann  Einer  in  mehreren  Gesellschaften  zugleich  sein,  sofern  er  die
Leistungen,  welche  ihm  für  das  gemeinsame  Werk  einer  jeden  obliegen,
ohne  Verwirrung  zu  vollbringen  vermag.  Den  Collisionsfiillen  kann  eine
bestimmte  Unterordnung  der  mehreren  eingegangenen  Verbindungen  abhelfen. ­
 1  Herbart,  a.  a.  O.  S.  129.  Der  Herausg.
2  ,Ward  der  allgemeine  Wille  durch  Gegenstände  bestimmt,  nach  denen
zu  streben  in  den  Naturbediirfnissen  jedes  Menschen  begründet  ist,  —
stützt  man  sich  auf  die  sogenannten  wahren  Interessen  des  Menschen,
so  entblösst  sich  immer  mehr  und  mehr  der  Verkehr,  der  die  Hülle  der
Gesellschaft  borgte,  und  der  Niemanden  bewegen  wird,  sich  nach  den
Gesetzen  des  allgemeinen  Marktes  länger  zu  richten,  als  er  es  für  gut
findet. 1  a.  a.  0.  Der  Herausg.
3  Wie  es  bei  Herbart  geschieht,  a.  a.  0.  S.  128.  Der  Herausg.
4  ,Es  wäre  der  erste  Fehler, 1  so  heisst  es  in  dem  letzten  von  der  beseelten ­
  Gesellschaft  handelnden  Capitel  des  1.  Buches  (a.  a.  0.  S.  102),
,der  hier  begangen  werden  könnte,  wenn  man  (gemäss  der  unvollkommenen ­
  Darstellung  des  atheniensischen  Weisen)  die  Einsicht,  die  Stärke,
die  Haltung,  durch  drei  gesonderte  Classen  der  Mitglieder  des  Vereins
bezeichnen  wollte.  Alsdann  vernimmt  zwar  der  Denker  die  Harmonie  der
            
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