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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 78. Band, (Jahrgang 1874)

Lotts  Kritik  der  Herbart’sclien  Ethik  und  Herbarts  Entgegnung.

171

Man  sollte  S.  164  f.  1  im  Sinne  des  Bisherigen  und  Folgenden ­
  erwarten,  es  würde  auch  rücksichtlich  der  Ehre  heissen: ­
  Lass  ab  davon!  Lege  keinen  Werth  auf  fremde  Meinung!
Oder  in  welchem  Sinne  könnte  sonst  (=  bei  einem,  der  keinen ­
  Werth  .  .  .)  von  Zueignung  der  Bilder  (in  fremden  Intelligenzen ­
  .  .  .)  die  Rede  sein?  Oder  könnte  darin,  dass  ich
sie  als  Bilder  von  mir  erkenne,  sie  ,mein'  nenne,  mehr  Grund
zu  Berechtigungen  liegen  als  etwa  in  den  Redeweisen:  ,mein'
Portrait,  ,mein'  Leib,  .  .  .  —  während  doch  ,mein'  Portrait  recht
wohl  das  Eigenthum  eines  Andern  sein  mag  und  der  Sclave
,seinen'  Leib  als  Eigenthum  seines  (!)  Herrn  betrachtet?
Der  Inhalt  des  Rechts  auf  Ehre  ist  wohl  jeder  Zug  im
Bilde,  auf  welchen  der  Abgebildete  selbst  Werth  legt?
Wie  wenn  Jemand  die  Frage  des  ,Urrechts  der  Persönlichkeit' ­
  .  .  etwa  so  stellte:  Habe  ich  nicht  Recht  auf  —  mich?
auf  mein  Ich?
7.  Die  Vollständigkeit  der  Ideenreihe  scheint  nicht
demonstrirt  zu  sein;  denn:  Warum  gäbe  es  kein  Verhältniss
des  Wollens  zum  Empfinden? 2  —  Liessen  sich  nicht  Verhältnisse ­
  mehrerer  Willen  im  Innern  einer  Person  eben  so
wohl  denken,  wie  zwischen  Willen  verschiedener  Personen,
welche  (Verhältnisse)  so  wenig  als  diese  von  der  Qualität  oder
Quantität  herzurühren  brauchten  ?  —  Allerdings  contradiciren
sich  absichtliches  und  unabsichtliches  Zusammentreffen
der  Willen;  ob  aber  a)  auch  innerhalb  eines  jeden  dieser
zwei  Gebiete  nur  für  Ein  ästhetisches  Verhältniss  Raum?
(Wäre  nicht  z.  B.  das  —  durch  Analogie  mit  der  Woliltliat  so
leicht  bemerkbare  —  Verhältniss  unabsichtlichen  Zusammentreffens ­
  sich  gleich  fördernder  Activitäten  ein  anderes?)  b)  Ob

der  gleichartigen  Erwiederung  fähig,  doch  zunächst  eine  Vergeltung  von
anderer  Art  nicht  bloss  gestattet,  sondern  begehrt.  Dem  Zutrauen  entspricht ­
  die  Treue,  dem  Glauben  die  Aufrichtigkeit,  die  Wahrheit.
Der  Herausg.
1  a.  a.  0.  S.  67  f.
2  Herbart,  Lehrb.  z.  Einl.  Werke,  I,  S.  146.  ,Die  Mannigfaltigkeit  des
möglichen  Leidens  (überhaupt  des  Empfindens,  denn  es  ist  hier  von
allen  passiven  Zuständen  die  Rede),  ergibt  nun  mannigfaltige  Verhältnisse ­
  die  man  zum  Behufe  der  allgemeinen  Aesthetik  gehörig  wird
sondern  müssen. 4  S.  auch  das  von  mir  ad  129  bemerkte,  Lott,
            
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