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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 78. Band, (Jahrgang 1874)

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Vogt.

d.  i.  Wohl  gegen  Wohl,  Weh  gegen  Weh)  als  Negation  (hier
Rückgang,  dort  Gegensatz)  der  missfälligen  That  dar?
In  der  culpa 1  wird  zunächst  ein  Nichtwille  (Nichts)  der
Beurtheilung  unterzogen,  was  unstatthaft  wäre,  wenn  hier  nicht
eigentlich  eine  Persönlichkeit,  ein  ganzes  System  von  Bedingungen ­
  .vorläge,  unter  welchen  im  Lichte  des  Selbstbewusstseins ­
  Willen  sich  erheben  und  sinken.  Der  ausbleibende  Wille
muss  ein  unwillkürlich  erwarteter  sein,  sonst  hätte  man  es
mit  einem  beliebigen  Gedankendinge  zu  thun,  welches  (oder
dessen  Mangel)  am  wenigsten  der  Person  zugerechnet  werden ­
  dürfte.  Dieses  Erwarten  (Daraufrechnen)  kann  unter  Anderem ­
  auch  in  einer  vorgängigen  Rechts  Übereinkunft  begründet ­
  sein.
In  die  Ausmessung  des  Strafübelquantums 2  scheint
die  Stärke  des  der  sträflichen  That  zu  Grunde  liegenden
Wollens  nicht  unmittelbar  hereingezogen  werden  zu  können;
denn  dieser  Stärke  entspricht  als  Compensation  die  Stärke  des
strafenden  Willens.
Und  woran  soll  jene  Stärke  gemessen  werden?  Soll  der
Wille  des  Uebelthäters  verglichen  werden  mit  seiner  ganzen
Persönlichkeit?  so  dass  das  Maximum  der  Willensstärke  dann
da  wäre,  wenn  dieser  Wille  ganz  und  gar  zu  dieser  Person
passte,  ihr  völlig  gleich  sähe,  sie  vollkommen  charakterisirte?
Diess  läge  auch  im  Begriffe  der  Zurechnung  (der  That  zur
Person).  Allein  leicht  wäre  dagegen  eine  andere  Person  von
weit  grösserer,  reicherer  geistiger  Energie  zu  denken  und  ein
Wollen  derselben,  welches  sie  bei  weitem  nicht  so  erschöpfend
bezeichnen  und  gleichwohl  an  sich  stärker,  reifer  sein  möchte
als  das  zuvor  betrachtete,  seinen  Besitzer  aber  weit  mehr  portraitirende.
  Ueberdiess  Hesse  sich  fragen:  Da  es  sich  ja  hier
um  Negation  der  missfälligen  That  handelt,  was  soll  da  die
Charakterisirung  .  .  .  ?
Worin  liegt  der  Beifall,  der  dem  Wechsel  Verhältnisse
von  Zutrauen  und  Treue,  von  Glauben  und  Wahrhaftigkeit  zu
Theil  wird?  3
'  Vgl.  Werke,  Bd.  VIII.  S.  59.  Der  Herausg.
2  Herbart,  a.  a.  0.  Der  Herausg.
3  Die  Gabe  des  Zutrauens  und  des  Glaubens,  sagt  Herbart  S.  63  a.  a.  O.
weicht  dadurch  von  der  Gabe  des  Wohlwollens  ab,  dass  sie,  wenn  schon
            
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