8
Hartei.
dass man schon dadurch in ihrer elastischen Natur den Grund
solcher Kürzung zu suchen sich bestimmt fühlen muss und nicht
verkennen wird, dass mit dieser Kürzung eine Verschmelzung
des Aus- und Anlautes Hand in Hand ging, stark genug, um
jene widrigen Verhältnisse unfühlbar zu machen. Die anderen
Ausgänge hingegen erleiden Kürzung zumeist an den Ruhepunkten
des Verses. Nur einige derselben waren dem griechischen
Munde geläufiger; die Härte der meisten verräth der Ort,
wo sie häufig sind, d. i. der erste Fuss, der uns des Ungefügen
bereits so viel gezeigt.
Ein weiterer Grund, diese beiden Erscheinungen auseinander
zu halten, liegt in der Zulassung derselben in der nachhomerischen
Poesie, namentlich bei den Lyrikern und Dramatikern,
welche die Kürzung nur in einem durch die rhythmische
Doppelkürze darstellbaren Tacttheil, z. B. in der Senkung eines
Daktylus oder Anapaestes, oder bei der Auflösung einer Länge
in zwei Kürzen, z. B. in der Hebung eines Jambus, Trochäus
und in aufgelösten Doclnnien zulassen. Wenn bereits im epischen
und elegischen Vers der nachhomerischen Dichtung die Kürzung
abnimmt und immer mehr sich bis auf feste Formeln auf die
diphthongischen Ausgänge beschränkt, so sind bei den Lyrikern
und Dramatikern die langen Vocale w w r ( r t fast ausgeschlossen.
Nur Pindar verkürzt nach Homerischem Beispiel öfter w.
Es möge genügen, dafür die in Pindar’s Siegesliedern
vorhandenen Fälle näher zu betrachten, welche ich mit Ausschluss
aller unsicheren Stellen gesammelt mittheile. Der Sammlung
ist Mommsen’s kritische Ausgabe (Berlin 1864) zu Grunde
gelegt. Diphthongische Ausgänge finden sich bei ihm 140 mal
als Kürzen verwendet, langvocalische nur 27 mal, und zwar:
0.1 in ■/.«( 64 mal: O IV 25, V 8, VII 7. 58. 66, VIII 47
(2 mal), IX 14. 23. 59. 69 (2 mal). 82, X 15. 62. 91, XIII
7. 81; PI 1. 94. 100, II 51, 111 90, IV 164. 174. 194. 254.
272, VIII 28. 56. 57, IX 22. 37. 59. 63. 88. 113, X 17. 22,
XI 9; N I 17. 32, II 1.3, III 54. 61, IV 75, V 7, VI 49.
66, X 31. 47. 77, XI 2. 7. 23; 111. 50, IV 5. 16, VI 32,
VII 5. 59 — in andern Wörtern 29 mal, und zwar: 0 VI 86
■Äi'ogai, ävopäai, VIII 86 Eu^ojxat a.\i.v.; P II 4 ep)(op,at äyyeXfav;
N IV 35 eXy.op.c« YjTop, V 16 tjTacop.ai ■ ou tot, IX 29 ävaßäX'Aop.ai
wc; 0 XIII 95 sTtssaEtai ovtoat; P IV 273 sijamvac,