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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

lvaut  und  die  positive  Philosophie.

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des  einen  direct  auf  das  Gesetztsein  des  andern  geschlossen
werden  kann.  Wenn  eine  vernünftige  Natur  ist,  lautet  die
Forderung  der  Vernunft,  so  kann  sie  nur  im  Ganzen  und
in  den  Theilen  vernünftig  sein.
Wird  dageg'en  vermöge  einer  unabweislichen  Forderung
der  Vernunft  die  Natur  von  dieser  als  ,Ver  nunftwesen'  gedacht,
so  folgt  daraus  keineswegs,  dass  sie  auch  wirklich  ein  solches
sei.  Jene  Forderung  der  Vernunft  gilt  nur  für  diese  selbst
d.  i.  für  ein  Denken,  das  Anspruch  darauf  macht,  für  ,vernünftig' ­
  zu  gelten.  Möglich  wäre  es  immer,  dass  von  der
Art,  wie  sie  gedacht  wird,  ganz  unabhängig  die  Natur  als  solche
,vernunftlos',  ein  ,epikurischer  Zusammenlauf  wirkender  Ursachen' ­
  wäre.  Dass  auf  diesem  Wege  des  ,ungefähren  Zusammenstosses'
  Bildungen  zu  Stande  kämen,  die  sich  ,in  ihrer
Form  erhalten  könnten',  wäre  zwar  nach  Kant’s  Ausdruck  ein
,Glücksfall',  der  sich  ,schwerlich'  ereignen  wird;  wenn  er  sich
aber  auch  nur  überhaupt  ereignen  kan  n,  so  ist  aller  notliwendigen
  Annahme  der  Vernunft  zum  Trotz  eine  ,vernunftlose'
Natur  keine  Unmöglichkeit.  Während  daher  der  Gedanke  einer
vernünftigen  Natur  den  Gedanken  einer  dur  chgeli  ends  vernünftigen ­
  Natur  mit  Nothwendigkeit  nach  sich  zieht,  zieht  der
wenn  auch  unvermeidliche  Gedanke  einer  vernünftigen  Natur
die  Existenz  einer  solchen  keineswegs  nach  sich.
Möchte  daher  die  Annahme  einer  ,vernunftlosen'  Natur
immerhin  wider  die  Vernunft,  der  vernünftige  Gedanke  einer
,Naturvernunft'  muss  darum  nicht  schon  Erkenntniss  sein.
Vielmehr  bleibt  nach  dem  Vorigen  die  Möglichkeit  offen,  dass
es,  der  unabweislichen  Vernunftforderung  ungeachtet,  die  Natur
als  ,Vernunftwesen'  zu  denken,  mit  der  Natur,  die  da  ist,
auf  ganz  entgegengesetzte  Weise  sich  verhalte.  Die  Verriunftannahme
  einer  vernünftigen  Natur  kann  ein  unvermeidlicher
Schluss,  aber  nichtsdestoweniger  ein  Fehlschluss  sein,  wie  es
der  von  Kant  sogenannte  Paralogismus  der  reinen  Vernunft
bezüglich  der  Existenz  eines  für  sich  bestehenden  Seelenwesens
ist.  Die  teleologische  Natur,  eine  Ausgeburt  der  Vernunft,
sehliesst  die  Möglichkeit  nicht  aus,  deren,  obgleich  unvermeidliche ­
  Selbsttäuschung,  ein  ,Vernunftroman'  zu  sein,  dem  keine
Realität  entspricht.
            
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