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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Kant  und  die  positive  Philosophie.

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herauskomme,  dass  es  bleiben  werde,  wie  es  von  jeher  gewesen
ist,  und  man  daher  nicht  Voraussagen  könne,  ob  nicht  die
Zwietracht,  die  unserer  Gattung  so  natürlich,  am  Ende  für
uns  eine  Hölle  von  Uebeln  in  einem  noch  so  gesitteten  Zustande ­
  vorbereite,  indem  sie  vielleicht  diesen  Zustand  selbst
und  alle  bisherigen  Fortschritte  in  der  Cultur  durch  barbarische
Verwüstung  wieder  vernichten  werde?  Kant  nennt  dies  ,ein
Schicksal,  wofür  man  unter  der  Regierung  des  blinden  Ungefähr ­
  nicht  stehen  könne',  das  aber  docli  in  dem  von  Kant
selbst  vorher  angedeuteten  und  als  möglich  zugelassenen
,Glücksfalle'  wenigstens  kaum  sich  ereignen  kann,  wenn,  obgleich ­
  nur  ,von  Ungefähr',  eine  Bildung,  die  sich  in  ihrer  Form
,erhalten  kann',  gelungen  sein  sollte.  Der  Gegensatz  zwischen
der  Annahme  des  ,blinden  Ungefährs'  und  einer  weisen  ,Naturabsicht' ­
  laufe,  sagt  Kant,  auf  die  Frage  hinaus,  ob  es^  wohl
vernünftig  sei,  Zweckmässigkeit  der  Naturanstalt  in  Theilen
und  doch  Zwecklosigkeit  im  Ganzen  anzunehmen?  j  Da  bei
der  ,Zweckmässigkeit  in  Theilen'  gleichfalls  von  einer  ,Naturanstalt' ­
  d.  i.  von  einer  veranstaltenden  Naturabsicht  die  Rede
ist,  so  drückt  jener  Gegensatz  nicht  sowohl  das  Verhältniss  des
,blinden  Ungefährs',  das  jede  ,Naturabsicht'  ausschliesst,  zur
planmässigen  Naturgestaltung,  als  vielmehr  den  Gegensatz
zwischen  einer  ,in  den  Theilen'  klugen,  aber  im  Ganzen
zwecklosen,  und  einer  im  Ganzen  und  in  den  Theilen  einsichtsvollen ­
  ,Naturanstalt'  aus.  Dass  letztere  Annahme  ,vernünftiger'
sei,  wenn  nur  zwischen  den  zwei  letztgenannten  zu  wählen
ist,  leidet  keinen  Zweifel;  in  der  angeführten  Stelle  aber
war  von  drei,  statt  bloss  von  den  letzten  beiden  Fällen  als
,möglichen'  die  Rede  und  so  ist  durch  das  obige  Argument
der  erste  derselben,  der  ,Glücksfall  des  Ungefähr'  nichts  weniger
als  ausgeschlossen.
Der  Unterschied  der  drei  von  Kant  aufgestellten  Fälle
besteht  in  Folgendem.  In  Bezug  auf  den  ersten  handelt  es  sich
um  die  Frage,  ob  es  ,vernünftiger'  sei,  in  der  Natur  überhaupt
,Vernunft'  oder  ,blindes  Ungefähr'  anzunehmen.  In  Bezug  auf
die  andern  beiden  dagegen  darum,  ob,  einen  Plan  der  Natur
einmal  vorausgesetzt,  es  ,vernünftiger'  sei,  denselben  nur  in
den  Theilen  oder  auch  im  Ganzen  vorauszusetzen.  Der  Schwer-
            
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