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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Kant  und  die  positive  Philosophie.

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Gewerben,  namentlich  dem  Handel,  dadurch  aber  auch  die
Abnahme  der  Kräfte  des  Staates  im  äusseren  Verhältniss  zu
fühlen.  Da  nun  diese  Freiheit  ,immer  weiter  geht',  die  persönliche ­
  Einschränkung  im  Thun  und  Lassen  immer  mehr  aufgehoben, ­
  die  allgemeine  Freiheit  der  Religion  nachgegeben  und
,mit  unterlaufendem  Wahn  und  Grillen'  das  ,grosse  Gut',  Aufklärung: ­
  nach  und  nach  bis  zu  den  Thronen  verbreitet  und  auf
deren  Regierungsgrundsätze  einflussreich  wird,  so  lässt  sich
hoffen,  dass  ,nach  mancherlei  Revolutionen  der  Umbildung'
endlich  ,ein  allgemeiner  weltbürgerlicher  Zustand  als  der
Schooss,  worin  alle  ursprünglichen  Anlagen  der  Menschheit  entwickelt ­
  werden,  dereinst  einmal  zu  Stande  kommen  werde'.
Da  nun,  wenn  letzteres  wirklich  die  ,höchste  Absicht'  der
Natur  wäre,  jenes  im  natürlichen  Laufe  der  teleologischen  Naturentwicklung ­
  sich  wirklich  so  ereignen  müsste,  so  lässt  sich  aus
dem  Factum  seines  wirklichen  Bestandes  umgekehrt  schliessen,
dass  Obiges  wirklich  die  ,verborgene'  Absicht  der  Natur  mit  der
Menschengattung  sei.  Angenommen  nämlich,  die  grösstmögliclie
Entwicklung  aller  im  Menschen  schlummernden  Anlagen  sei
die  Absicht  der  Natur,  welche  nur  in  einem  vollkommensten
Staatswesen  möglich  ist,  so  ist  nichts  anderes  zu  erwarten,  als
dass  der  wirkliche  Lauf  der  Begebenheiten  eine  stetige  Vervollkommnung ­
  des  letzteren  aufweisen  werde.  Da  nun  dieses,
wie  die  Erfahrung  (wenn  auch  nur  ,in  etwas  Wenigem')  zeigt,
wirklich  der  Fall  ist,  so  ist  damit  auch  bezeugt,  dass  jenes
wirklich  die  Absicht  der  Natur  sei.
Man  braucht  nicht  weit  zu  forschen,  um  dem  Original
dieser  Schlussweise,  welche  als  ,transscendentale  Dcduction'  in
Kant’s  Philosophie  eine  Hauptrolle  spielt,  auf  die  Spur  zu
kommen.  Der  nächste  Satz  schon  entdeckt  die  ursprüngliche
Quelle  des  Kant’schen  Lieblingsverfahrens,  durch  das  mit  Vorliebe ­
  angewendete  Gleiclmiss  der  Himmelsbewegungen.  Zwar
von  dem  Gange  der  Naturabsicht  erschliesst  die  Erfahrung  ,nur
etwas  Weniges';  der  Kreislauf  derselben  scheint  so  lange  Zeit
zu  erfordern,  bis  er  sich  schliesst,  dass  man  aus  dem  kleinen
1  heil,  den  die  Menschheit  in  dieser  Absicht  zurückgelegt,  nur
unsicher  die  Gestalt  ihrer  Balm  und  das  Verhältniss  der  Theile
zum  Ganzen  bestimmen  kann.  Doch  aber  nicht  unsicherer,  als
            
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