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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

lieber  die  Entstelmngszeit  des  Scliwabenspiegels.

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Liess  sich  der  Verfasser  bei  dieser  Angabe,  wie  doch
nicht  zu  bezweifeln  sein  wird,  durch  Verhältnisse  seiner  Zeit
bestimmen,  so  läge  der  Gedanke  nahe,  sie  sei  im  Interesse
dieses  oder  jenes  Biscliofes  geschrieben,  der  sich  gegen  den
Besuch  baierischer  Hoftage  sträubte.  König  Rudolf  selbst  bezeichnet ­
  1281  den  Erzbischof  von  Salzburg,  die  Bischöfe  von
Bamberg,  Regensburg,  Freising,  Eichstädt,  Augsburg,  Passau
und  Brixen  als  zum  Lande  Baiern  gehörig  (Mon.  Wittelsb.  1,
338);  dieselben  sollten  nach  dem  gleichfalls  dieser  Zeit  angehörenden ­
  Urbarbuche  des  Herzogthums  (Mon.  Boica  36,  529)
den  Hof  des  Herzogs  zu  Regensburg  suchen.  Da  könnte  nun
etwa  der  Verfasser  den  Bischof  von  Augsburg  im  Auge  gehabt ­
  haben,  dessen  Bischofsstadt  in  Schwaben  lag  und  der
früher  wohl  schwäbische,  nicht  aber  baierische  Hoftage  besuchte. ­
  Aber  es  macht  sich  im  Schwabenspiegel  so  vielfach
eine  Parteinahme  für  baierische  Ansprüche  geltend,  dass  ich,
von  anderm  abgesehen,  schon  desshalb  nicht  annehmen  möchte,
die  Stelle  sei  im  Interesse  eines  Bischofs  zur  Abwehr  herzoglicher ­
  Anforderungen  geschrieben.
Es  wird  vielmehr  kaum  zu  bezweifeln  sein,  dass  die  Stelle
geschrieben  ist  zur  Abwehr  von  Ansprüchen  Ottokars  an  die
baierischen  Bischöfe,  also  mittelbar  zugleich  im  Interesse  des
Herzogthums.  Da  macht  sich  gerade  jenes  Verhältniss  im
weitesten  Umfange  geltend.  Während  ihre  Bischofsstädte  zu
Baiern  gerechnet  wurden,  unterstanden,  zumal  seit  Ottokar  auch
Kärnthen  erworben  hatte,  die  Besitzungen  vieler  baierischen
Bischöfe  der  Hoheit  des  Böhmenkönigs.  Dieses  Verhältnisses
wegen  wird  derselbe  sie  auch  als  persönlich  seiner  Herrschaft
unterworfen  betrachtet,  insbesondere  Suchen  seiner  Hoftage  von
ihnen  verlangt  haben.  Im  Februar  1270  sind  die  Bischöfe  von
Bamberg  und  Passau  auf  seinem  Tage  zu  Wien;  ebenda  im
October  dieselben  mit  dem  Erzbischöfe  von  Salzburg  und  dem
Bischöfe  von  Freising.  Im  December  wird  der  Tag  zur  völligen ­
  Ausgleichung  des  Königs  mit  dem  Erzbischöfe  nach  Wien,
also  in  die  Hauptstadt  des  einen  anberaumt;  das  pflegt  sonst
nicht  der  Fall  zu  sein,  wo  es  sich  um  gleichgestellte  Fürsten
handelt.  Beim  Frieden  mit  Ungarn  im  Juli  1271  stehen  ausser
den  Bischöfen  von  Prag  und  Olmiitz  auch  die  von  Salzburg,
Passau,  Freising  und  Regensburg  für  den  König  ein  und  erklären,
            
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