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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Zira  m  er  in  an  n.

jene  Gesetze  selbst  folgen.  Dem  aufsteigenden  Gang-  der  Untersuchung-, ­
  der  bei  dem  ersten  von  den  scheinbar  regellosen  Erscheinungen ­
  zu  den  dieselben  beherrschenden  Gesetzen  empor-,
setzt  der  andere  den  absteigenden  entgegen,  der  von  der
,allgemeinen  Ursache*  zu  den  untergeordneten  herabführt.
Es  ist  keineswegs  Kant’s  Absicht,  durch  seine  Schrift
den  Beweis  zu  führen,  dass  Handlungen,  wie  die  von  ihm  angeführten, ­
  auf  welche  ,der  freie  Wille  des  Menschen  so  grossen
Einfluss  hat*,  nichtsdestoweniger  einer  ,Regel*  unterworfen
seien.  Vielmehr  ,bewiesen*  das  schon  ,die  jährlichen  Tafeln
derselben  in  grossen  Ländern*.  Kant  beruft  sich  auf  diese  als
Dokumente,  durch  welche  die  Thatsache,  dass  zwar  scheinbar
willkürliche  Handlungen  ,nach  beständigen  Naturgesetzen  geschehen*, ­
  ausser  Zweifel  gestellt  werde.  Immerhin  handelt  es
sich  noch  darum,  die  Thatsache,  dass  scheinbar  willkürliche
Handlungen  nach  beständigen  Naturgesetzen  erfolgen,  selbst  zu
erklären.  Wenn  man  sich  nach  Kant’s  Ausdruck  eines  gewissen
Unwillens  nicht  erwehren  kann,  sobald  man  der  Menschen
Thun  und  Lassen  auf  der  grossen  Weltbühne  ausgestellt  und
bei  hin  und  wieder  anscheinender  Weisheit  im  Einzelnen  doch
endlich  alles  im  Grossen  aus  Thorheit,  kindischer  Eitelkeit,  oft
auch  aus  kindischer  Bosheit  und  Zerstörungssucht  zusammengewebt ­
  findet  —  so  bliebe  für  den  Philosophen  keine  andere
Auskunft,  als  dass,  da  er  bei  Menschen  und  ihrem  Spiele  im
Grossen  gar  keine  vernünftige  eigene  Absicht  voraussetzen
kann,  er  versuche,  ob  er  nicht  eine  Naturabsicht  entdecken
könne,  aus  welcher  von  Geschöpfen,  die  ohne  eigenen  Plan
verfahren,  dennoch  eine  Geschichte  nach  einem  bestimmten
Plane  der  Natur  möglich  sei.
Auf  die  Entdeckung  einer  solchen  ist  daher  Kant’s,  des
,Philosophen*,  Absehen  gerichtet.  Er  will  sehen,  wie  er  sagt,
ob  es  ihm  gelingen  werde,  einen  ,Leitfaden*  zu  einer  solchen
Geschichte  zu  finden;  den  Mann  hervorzubringen,  der  im
Stande  sei,  sie  darnach  abzufassen,  will  er  der  Natur  überlassen. ­
  Letzteren  vergleicht  er  mit  Newton,  während  er  sich
selbst  die  bescheidenere  Rolle  zuweist,  die  verborgene  Endabsicht ­
  der  Natur  aufzuspüren,  als  deren  planmässige  Vollziehung ­
  die  Geschichte  sich  ansehen  lasse.
            
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