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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Ficker.

Böhmen  1289  ausdrücklich  festzustellen.  Freilich  musste  dann
für  den  Spieg-ler  selbst  irgendwelche  Veranlassung  vorliegen,
Baiern  das  Amt  zuzusprechen.  Diese  war  aber  meiner  Ansicht
nach  1275  hinreichend  geboten.
Allerdings  legt  Laband  a.  a.  0.  22  Gewicht  darauf,  der
Verfasser  könne  die  Urkunde  von  1275  gar  nicht  gekannt
haben,  da  in  dieser  den  Herzogen  von  Baiern  die  Stimme  nicht
als  Schenken,  sondern  ausdrücklich  ratione  ducatus,  als  Nationalherzogen ­
  zuerkannt  sei.  Dem  gegenüber  möchte  ich  mich  unbedingt ­
  der  Ansicht  anschliessen,  dass  der  Ducat  hier  keineswegs ­
  im  Gegensätze  zum  Schenkenamte,  sondern  im  Gegensätze
zur  Pfalzgrafschaft  betont  ist.  Weiter  aber  macht  uns  der
Spiegler  gewiss  nicht  den  Eindruck,  dass  er  sich  viel  um  Urkunden ­
  und  die  genaue  Fassung  derselben  kümmerte.  Der
Wortlaut  der  Urkunde  mag  ihm  ganz  unbekannt  geblieben  sein.
Massgebend  wird  für  ihn  gewesen  sein,  was  damals  zu  Augsburg ­
  selbst  über  die  Vorgänge  auf  dem  Hoftage  erzählt  wurde.
Der  Kern  der  Sache  war  der,  dass  auf  dem  Tage  zwischen
den  böhmischen  und  baierischen  Boten  ein  Streit  um  das  Kurrecht ­
  ausbrach  und  darauf  durch  Kundschaft  der  Fürsten  festgestellt ­
  wurde,  man  habe  bei  der  letzten  Wahl  Baiern,  also
nicht  Böhmen,  die  siebte  Stimme  zuerkannt.  Mag  man  der
Urkunde  nun  diese  oder  jene  Tragweite  beilegen,  für  einen
Augsburger,  der  keinen  Grund  hatte,  anderer  Meinung  zu  sein,
bei  dem  umgekehrt  Begünstigung  baierischer  Ansprüche  vorauszusetzen ­
  ist,  musste  das  die  Bedeutung  haben,  dass  von  nun
an  nicht  mehr  der  König  von  Böhmen,  sondern  der  Herzog
von  Baiern  als  siebter  Kurfürst  zu  betrachten  sei.  Kur  und
Amt  brachte  man  längst  in  nächste  Verbindung;  war  auf  dem
Tage  selbst  auch  vom  Amte  gar  nicht  die  Rede  gewesen,  so
konnte  es  selbstverständlich  scheinen,  dass  der  Herzog  nun
auch  der  Schenk  sei.  Und  wurde  dieser  weitere  Schritt  nicht
schon  anderweitig  gemacht,  so  lag  er  jedenfalls  für  den  Spiegler
ganz  nahe.  In  seiner  Vorlage  fand  sich  der  König  von  Böhmen
gerade  als  Schenk  den  für  die  Wahl  in  Betracht  kommenden
Fürsten  zugezählt;  er  selbst  hatte  sich  dem  in  dem  bereits  gefertigten ­
  Theile  seines  Werkes  augeschlossen;  für  ihn  fielen
der  siebte  Wähler  und  der  Schenk  durchaus  zusammen;  war
der  Herzog  von  Baiern  gegen  die  böhmischen  Ansprüche  als
            
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