«44
Ficker.
Böhmen 1289 ausdrücklich festzustellen. Freilich musste dann
für den Spieg-ler selbst irgendwelche Veranlassung vorliegen,
Baiern das Amt zuzusprechen. Diese war aber meiner Ansicht
nach 1275 hinreichend geboten.
Allerdings legt Laband a. a. 0. 22 Gewicht darauf, der
Verfasser könne die Urkunde von 1275 gar nicht gekannt
haben, da in dieser den Herzogen von Baiern die Stimme nicht
als Schenken, sondern ausdrücklich ratione ducatus, als Nationalherzogen
zuerkannt sei. Dem gegenüber möchte ich mich unbedingt
der Ansicht anschliessen, dass der Ducat hier keineswegs
im Gegensätze zum Schenkenamte, sondern im Gegensätze
zur Pfalzgrafschaft betont ist. Weiter aber macht uns der
Spiegler gewiss nicht den Eindruck, dass er sich viel um Urkunden
und die genaue Fassung derselben kümmerte. Der
Wortlaut der Urkunde mag ihm ganz unbekannt geblieben sein.
Massgebend wird für ihn gewesen sein, was damals zu Augsburg
selbst über die Vorgänge auf dem Hoftage erzählt wurde.
Der Kern der Sache war der, dass auf dem Tage zwischen
den böhmischen und baierischen Boten ein Streit um das Kurrecht
ausbrach und darauf durch Kundschaft der Fürsten festgestellt
wurde, man habe bei der letzten Wahl Baiern, also
nicht Böhmen, die siebte Stimme zuerkannt. Mag man der
Urkunde nun diese oder jene Tragweite beilegen, für einen
Augsburger, der keinen Grund hatte, anderer Meinung zu sein,
bei dem umgekehrt Begünstigung baierischer Ansprüche vorauszusetzen
ist, musste das die Bedeutung haben, dass von nun
an nicht mehr der König von Böhmen, sondern der Herzog
von Baiern als siebter Kurfürst zu betrachten sei. Kur und
Amt brachte man längst in nächste Verbindung; war auf dem
Tage selbst auch vom Amte gar nicht die Rede gewesen, so
konnte es selbstverständlich scheinen, dass der Herzog nun
auch der Schenk sei. Und wurde dieser weitere Schritt nicht
schon anderweitig gemacht, so lag er jedenfalls für den Spiegler
ganz nahe. In seiner Vorlage fand sich der König von Böhmen
gerade als Schenk den für die Wahl in Betracht kommenden
Fürsten zugezählt; er selbst hatte sich dem in dem bereits gefertigten
Theile seines Werkes augeschlossen; für ihn fielen
der siebte Wähler und der Schenk durchaus zusammen; war
der Herzog von Baiern gegen die böhmischen Ansprüche als