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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Ueber  die  Entstelmngszeit  des  Schwabenspiegels.

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gearbeitet  sein,  als  dieser  im  Landrecht  bereits  durch  den
Herzog  von  Baiern  ersetzt  war.  Insbesondere  aber  spricht  der
Bestand  des  Textes,  in  welchem  wir  die  Nennung  von  Böhmen
als  ursprünglich  zu  betrachten  haben,  durchaus  gegen  das
Zurückgehen  auf  eine  noch  unvollständige  Gestaltung  des
Werkes;  der  Text  der  alten  Drucke  ist  eine  der  vollsten
Formen,  enthält  fast  alles,  was  erweislich  dem  Urtexte  angehörig ­
  in  spätem  Formen  ausgelassen  wurde,  und  es  würde  sich
leicht  nachweisen  lassen,  wie  durchaus  unwahrscheinlich  es
sein  müsse,  dass  seine  Vollständigkeit  durch  spätere  Ergänzung
einer  ursprünglich  unvollständigeren  Form  gewonnen  wurde.
Sollte  aber  dennoch,  was  mir  ganz  unwahrscheinlich  ist,  eine
unvollständige  Form,  der  insbesondere  Lhr.  41  fehlte,  schon  in
Umlauf  gekommen  sein,  so  würde  auch  das  für  unsern  nächsten ­
  Zweck  wenig  ins  Gewicht  fallen,  da  es  sich  nicht  um  die
Entstehungszeit  irgendwelcher  Vorstufe,  sondern  des  vollständig
ausgewachsenen  Werkes  handelt,  für  welche  dann  Lhr.  41  nicht
minder  massgebend  bleiben  würde.
Die  Erwägung  aller  Umstände  ergibt  doch  als  das  durchaus ­
  Wahrscheinlichere,  dass  wirklich  der  zuerst  in  Umlauf
gekommene  Text  an  einzelnen  Stellen  noch  den  König  von
Böhmen  nannte,  an  einer  andern  bereits  den  Herzog  von  Baiern
im  Auge  hatte.  Und  gar  so  unerklärlich  ist  das  doch  nicht.
Als  der  Verfasser  Ldr.  130  und  Lhr.  8  arbeitete,  hatte  er  den
Deutschenspiegel  vor  sich,  liess  sich  zunächst  durch  diesen
leiten.  Dass  dagegen  Lhr.  41  ganz  selbstständig  gearbeitet  ist,
möchte  ich  nicht  gerade  in  erster  Reihe  betonen.  Aber  ist
schon  nach  der  Stellung  im  Werke  selbst  eine  spätere  Abfassung ­
  anzunehmen,  so  kann  es  sich  da  auch  um  einen  verhältnissmässig
  erheblichem  Zeitabstand  handeln,  wenn,  wie  doch
leicht  der  Fall  sein  mochte,  die  Arbeit  nicht  gerade  in  Massgabe
  der  schliesslichen  Ordnung  vorschritt,  sondern  die  ganz
selbstständigen  Abschnitte  vielleicht  erst  nach  "V  erarbeitung  des
im  Deutschenspiegel  Vorliegenden  eingeschoben  wurden.  War
der  Verfasser  inzwischen  auf  den  Anspruch  Baierns  aufmerksam
geworden,  ging  er  auf  denselben  ein,  so  waren  nun  allerdings
die  bezüglichen  früheren  Stellen  zu  ändern.  Bei  den  ersten  in
Umlauf  gekommenen  Texten  wird  das  übersehen  sein.  Dann
muss  man  freilich  sehr  bald  darauf  aufmerksam  geworden  sein,
            
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