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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

826

Ficker.

sich  entschließen,  auch  den  Hoftag  in  die  Reichsstadt  Nürnberg ­
  auszuschreiben.
Es  fehlt  weiter  in  dieser  Zeit  auch  nicht  an  sonstigen
Andeutungen  einer  Spannung  mit  den  Bischöfen.  Lediglich
mit  den  baierischen  Bischöfen  von  Salzburg,  Passau  und  Regensburg ­
  linden  wir  im  August  den  König  in  engeren  Beziehungen,
der  ihnen  Gnadenbriefe  ertheilt.  Das  erklärt  sich  durch  die
gemeinsamen  Interessen  gegen  den  Böhmenkönig;  doch  mag
auch  das  zu  beachten  sein,  dass  Salzburg  und  Passau  überhaupt ­
  nicht  zu  den  Städten  gehörten,  in  welchen  der  König-Hof
  zu  halten  pflegte,  während  für  den  Besuch  von  Regensburg, ­
  wo  überhaupt  schon  seit  langer  Zeit  nur  selten  noch
Hoftage  gehalten  wurden,  die  Beziehungen  des  Königs  zum
Herzoge  wohl  mehr  ins  Gewicht  fielen,  als  die  zum  Bischöfe.
Dagegen  fehlen  alle  Gunstbriefe  für  andere  Bischöfe.  Und
wenn  der  König  kurz  vor  dem  Nürnberger  Tage  den  Bürgern
von  Köln,  deren  Erzbischof  eben  gestorben  war,  feierlich  zusichert, ­
  nicht  dulden  zu  wollen,  dass  ihr  Erzbischof  sie  vergewaltige ­
  oder  bedrücke,  so  lange  sie  bereit  seien,  vor  dem
Könige  zu  Rechte  zu  stehen  (Lacomblet  U.  B.  2,  399),  so  ist
das  doch  kaum  anders  aufzufassen,  als  dass  Rudolf  sich  nach
Bundesgenossen  umsah  für  den  Fall,  dass  die  Verhandlungen
zu  Nürnberg  nicht  zum  erwünschten  Ziele  führen  sollten.  Auch
der  Erzbischof  von  Mainz  war  eben  damals  mit  seinen  Bürgern
in  heftiger  Fehde.  Musste  der  König  auch  wünschen,  mit  den
Bischöfen  zu  einem  Einvernehmen  zu  gelangen,  so  lagen  die
Sachen  doch  keineswegs  so,  dass  er  genöthigt  gewesen  wäre,
dasselbe  durch  Gewährung  jeder  Forderung  zu  erkaufen;  das
Bedürfnis  einer  Verständigung  dürfte  auf  der  andern  Seite
nicht  geringer  gewesen  sein.
Mit  unseren  bisherigen  Annahmen  stimmt  nun  wieder
alles  aufs  genaueste,  was  wir  über  den  Nürnberger  Tag  wissen.
Hieher  fällt  zweifellos  das  im  Schwabenspiegel  erwähnte  Nachgeben ­
  der  Bischöfe.  Schon  das  ist  schwerlich  Zufall,  dass  zu
Nürnberg  nur  ein  Laienfürst,  aber  zwölf  Pfaffenfürsten  anwesend ­
  waren;  es  wird  danach  doch  von  vornherein  festgestanden ­
  haben,  dass  es  sich  vorzugsweise  um  Angelegenheiten
dieser  handeln  werde.  Der  König  erreichte  einmal  Unterstützung ­
  des  gegen  den  Böhmenkönig  beabsichtigten  Vorgehens.
            
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