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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

TJeber  die  Entstelmngszeit  des  Schwabenspiegels.

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Konstanz;  auch  weiterhin  finden  wir  das  althergebrachte  Verliältniss,
  dass  der  König,  so  weit  er  sich  überhaupt  in  den  betreffenden ­
  Ländern  bewegt,  seine  langem  Aufenthalte  theils
in  Bischofsstädten,  theils  in  Reichsstädten  nimmt.
Wenn  ich  nun  annehme,  der  Verfasser  des  Schwabenspiegels ­
  habe  bei  der  fraglichen  Stelle  eben  diese  Verhältnisse
im  Auge  gehabt,  dieselbe  sei  in  Veranlassung  derselben  kurz
nachher  geschrieben,  so  dürfte  das  kaum  noch  einer  nähern
Begründung  bedürfen.  Versuchen  wir  es  noch,  uns  den  Hergang ­
  von  jener  Stelle  ausgehend  genauer  zu  vergegenwärtigen,
so  mag  das  weniger  wichtig  erscheinen  wegen  der  weiteren
Haltpunkte,  welche  sich  für  die  Richtigkeit  der  Beziehung  ergeben, ­
  als  wegen  des  Nachweises,  ein  wie  überaus  wichtiges
Hiilfsmittel  zur  richtigem  Würdigung  mancher  Vorgänge  der
ersten  Regierungszeit  König  Rudolfs  uns  in  jener  Stelle  vorliegt.
Wurde  der  König  nach  der  Krönung  anstandslos  in  den
rheinischen  Bischofsstädten  aufgenommen,  so  kann  das  nicht
auffallen.  Zu  Köln,  Speier,  Worms  war  man  von  den  Zeiten
Wilhelms  und  Richards  her  an  die  Aufenthalte  des  Königs  gewohnt ­
  geblieben;  niemand  wird  hier  daran  gedacht  haben,  dass
dem  allgemein  anerkannten  Könige  weniger  Recht  zustehen
solle,  als  jenen.  War  Strassburg  anscheinend  nie  von  Richard,
Basel  auch  nicht  von  Wilhelm  besucht,  so  durfte  Rudolf  in
diesen  ihm  näher  stehenden  Landestheilen  auf  bereitwilliges
Entgegenkommen  ohnehin  rechnen.
Das  wird  sich  nun  geändert  haben,  als  Rudolf  im  folgenden ­
  Jahre  auch  Reichsländer  besuchte,  welche  seit  langen  Zeiten
keinen  König  gesehen  hatten.  Ob  Rudolf  schon  im  März,  als
er  nach  längerem  Aufenthalte  zu  Hagenau  von  dort  nach  Oppenheim ­
  und  Gelnhausen  ging,  die  rheinfränkischen  Bischofsstädte
mied,  weil  die  Aufnahme  auf  Schwierigkeiten  stiess,  mag  fraglich ­
  sein.  Speier  und  Worms  hatte  er  früher  schon  besucht.
Auffallender  könnte  unter  andern  Verhältnissen  das  Vermeiden
von  Mainz  sein,  wo  er  jedenfalls  noch  keinen  langem  Aufenthalt ­
  genommen  hatte;  aber  es  erklärt  sich  wohl  genügend
daraus,  dass  der  Erzbischof  den  König  bisher  begleitet  hatte
und  nun  nach  kurzem  Aufenthalte  zu  Mainz  zum  Concile  aufbrach; ­
  vgl.  v.  d.  Ropp  Werner  von  Mainz  179.
            
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