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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Kant  und  die  positive  Philosophie.

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ihm  nur  für  ,destructiv'  ausgegebenen  der  Metaphysik.  Die
Trennung  der  geistlichen  von  der  weltlichen  Gewalt  an  der
Stelle  der  Cäsaropapie,  sowie  der  freiwillige  Gehorsam  der
letzteren  gegen  die  erstere  an  der  Stelle  der  erzwungenen
Theokratie,  entspricht  seinen  Wünschen  für  die  positive  Gesellschaft. ­
  Eine  Art  unfehlbaren  Papstthums  in  des  Stifters
eigener  Person  ist  dieser  so  wenig,  wie  seiner  Zeit  dem
St.  Simonismus  erspart  worden.
Das  ,positivistische  Weltalter'  und  der  ,ewige  Frieden'
bilden  den  Schlusspunkt  von  Comte’s  und  Kant’s  Geschichtsphilosophien. ­
  Einen  Grundunterschied  beider  hat  Comte  und  nach
ihm  Littre  richtig  herausgefunden.  Ersterer  nennt  jene  Kant’s
,metaphysisch',  letzterer  eine  ,intuition'.  Wahr  sei  es,  dass  die
Geschichte  ein  Naturphänomen  unter  bestimmten  Gesetzen  sei;
wahr  auch,  dass  Kant  dies  eingesehen  habe;  ebenso  sicher
sei  aber  auch,  dass  die  Basis  seines  Entwurfs  gänzlich  verfehlt
(tout  ä  fait  ruineux)  sei.  Dieselbe  sei  nämlich  keine  andere,
als  das  metaphysische  Princip:  die  Natur  thut  nichts  umsonst.
Da  nun  die  menschlichen  Anlagen  in  dem  Individuum,  welches
ephemer  ist,  nicht  zur  Entfaltung  gelangen  können,  so  müssen
sie  an  der  Gattung  zu  solcher  kommen,  welche  beharrend  ist.
Kennern  der  positiven  Philosophie  brauche  man  nicht  erst  zu
versichern,  dass  wir  auf  keine  Weise  zu  wissen  vermögen,  ob
oder  ob  nicht  die  Natur  irgend  ein  Ding  umsonst  wolle.  Das  sei
eine  subjective  Ansicht,  unberechtigterweise  übertragen  auf  das
objective  Gebiet.  Kant’s  Idee  ist  eine  ,intuition',  keine
,demonstration';  letztere  ist  erst  zu  finden;  Kant  hat  nur  die
Aufgabe  gestellt.
Die  Bemerkung  ist  treffend,  aber  sie  trifft  nicht  Kant.
Zu  jener  Zeit  (1784)  war  die  erst  sechs  Jahre  später  erschienene ­
  Kritik  der  (teleologischen)  Urtheilskraft  noch  nicht
geschrieben  und  Comte  wenigstens  (für  Littre  gilt  diese  Entschuldigung ­
  nicht)  hat  keine  andere  Schrift  Kant’s  als  jene
Abhandlung  zu  Gesichte  bekommen.  In  dieser  äussert  er
sich  allerdings  so,  dass  der  Irrthum  erklärlich  wird.  Sein
nächster  Zweck  ist,  eine  ,Absicht'  der  Natur  im  scheinbar
widersinnigen  Lauf  der  menschlichen  Begebenheiten  nachzuweisen ­
  ;  dass  dieselbe  der  Natur  nicht  objectiv  innewohne,
sondern  vom  Subject  in  dieselbe  hineingelegt,  ihr  angedichtet
            
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