Kant und die positive Philosophie.
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ihm nur für ,destructiv' ausgegebenen der Metaphysik. Die
Trennung der geistlichen von der weltlichen Gewalt an der
Stelle der Cäsaropapie, sowie der freiwillige Gehorsam der
letzteren gegen die erstere an der Stelle der erzwungenen
Theokratie, entspricht seinen Wünschen für die positive Gesellschaft.
Eine Art unfehlbaren Papstthums in des Stifters
eigener Person ist dieser so wenig, wie seiner Zeit dem
St. Simonismus erspart worden.
Das ,positivistische Weltalter' und der ,ewige Frieden'
bilden den Schlusspunkt von Comte’s und Kant’s Geschichtsphilosophien.
Einen Grundunterschied beider hat Comte und nach
ihm Littre richtig herausgefunden. Ersterer nennt jene Kant’s
,metaphysisch', letzterer eine ,intuition'. Wahr sei es, dass die
Geschichte ein Naturphänomen unter bestimmten Gesetzen sei;
wahr auch, dass Kant dies eingesehen habe; ebenso sicher
sei aber auch, dass die Basis seines Entwurfs gänzlich verfehlt
(tout ä fait ruineux) sei. Dieselbe sei nämlich keine andere,
als das metaphysische Princip: die Natur thut nichts umsonst.
Da nun die menschlichen Anlagen in dem Individuum, welches
ephemer ist, nicht zur Entfaltung gelangen können, so müssen
sie an der Gattung zu solcher kommen, welche beharrend ist.
Kennern der positiven Philosophie brauche man nicht erst zu
versichern, dass wir auf keine Weise zu wissen vermögen, ob
oder ob nicht die Natur irgend ein Ding umsonst wolle. Das sei
eine subjective Ansicht, unberechtigterweise übertragen auf das
objective Gebiet. Kant’s Idee ist eine ,intuition', keine
,demonstration'; letztere ist erst zu finden; Kant hat nur die
Aufgabe gestellt.
Die Bemerkung ist treffend, aber sie trifft nicht Kant.
Zu jener Zeit (1784) war die erst sechs Jahre später erschienene
Kritik der (teleologischen) Urtheilskraft noch nicht
geschrieben und Comte wenigstens (für Littre gilt diese Entschuldigung
nicht) hat keine andere Schrift Kant’s als jene
Abhandlung zu Gesichte bekommen. In dieser äussert er
sich allerdings so, dass der Irrthum erklärlich wird. Sein
nächster Zweck ist, eine ,Absicht' der Natur im scheinbar
widersinnigen Lauf der menschlichen Begebenheiten nachzuweisen
; dass dieselbe der Natur nicht objectiv innewohne,
sondern vom Subject in dieselbe hineingelegt, ihr angedichtet