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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Ueber  die  Entstehungszeit  des  Schwabenspiegels.

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letzteres  zu  erweisen,  so  würde  der  Hergang  kaum  noch  einem
Zweifel  unterliegen  können;  eine  von  der  Handschrift  ganz
unabhängige  Familientradition  würde  zur  Fertigung  der  unechten ­
  Inschrift  benutzt  sein,  es  würde  jeder  Grund  für  die
Annahme  entfallen,  es  habe  sich  au  die  Handschrift  auch  nur
eine  mündliche  Familienüberlieferung  angeknüpft.  Ich  gestehe,
dass  ich  mir  da  ein  sicheres  Urtheil  nicht  erlauben  möchte.
Die  Worte  aus  Zircli  seinem  herrn,  die  sich  hier  auf  Heinrich
beziehen,  scheinen  allerdings  der  Beziehung  auf  Rüdiger,  wie
sie  sich  in  der  Inschrift  findet,  besser  zu  entsprechen  und
demnach  darauf  zu  deuten,  dass  diese  spätere  Notiz  aus  der
Inschrift  unter  Weglassung  des  auf  die  Handschrift  Bezüglichen
entnommen  wurde.  Müsste  dabei  das  Missverstehen  der  deutlichen ­
  Angaben  der  Inschrift  auffallen,  so  wäre  andererseits
doch  auch  die  ursprüngliche  Beziehung  jener  Worte  auf  Heinrich ­
  nicht  gerade  undenkbar,  zumal  wenn  wir  etwa  annähmen,
der  Verfasser  der  Inschrift  habe  bei  Benutzung  der  Notiz  die
Angabe  nicht  auf  Rüdiger,  sondern  auf  Heinrich  beziehen
w r ollen  und  nur  übersehen,  das  er  damals  seiner  Vorlage  in
ich  damals  zu  ändern.  Dann  aber,  und  das  scheint  mir  wichtiger, ­
  können  die  Nachrichten  über  Stefan  überhaupt  nicht  der
Inschrift  entnommen  sein,  während  sie  doch  andererseits  schon
in  der  Vorlage  mit  den  Nachrichten  über  Heinrich  verbunden
sein  mussten,  da  beide  als  Vater  und  Sohn  in  Verbindung  gesetzt ­
  sind.  Und  weiter  wird  diese  Vorlage  lediglich  die  Nachrichten ­
  über  Heinrich  und  Stefan  enthalten  haben,  da  die  weiter
folgenden  Familiennachrichten  aus  einer  uns  bekannten  Q,uelle,
den  Eintragungen  in  die  Handschrift  des  Konrad  von  Megenberg
  entnommen  sind.
Nach  allem  Gesagten  dürfte  der  Hergang  etwa  folgender
gewesen  sein:  Eine  früher  dem  Rüdiger  Maness  gehörige  Handschrift ­
  wurde  in  späterer  Zeit  von  einem  Preckendorfer  erworben. ­
  Da  sich  in  der  Familie  eine  Ueberlieferung  von  einem
Ahnherrn  vorfand,  der  unter  Rudolf  von  Habsburg  in  der
Schweiz  gekämpft,  so  brachte  ihn  das  auf  den  Gedanken,  der
Handschrift  für  die  Familie  grössere  Bedeutung  zu  geben,  indem ­
  er  eine  Inschrift  fälschte,  wonach  der  in  der  Handschrift
als  früherer  Besitze]'  erwähnte  Bürger  von  Zürich  sie  jenem
Ahnherrn  schenkte.  Er  benutzte  dazu  eine  in  der  I  amilie
            
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