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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

8.04

Ficker.

auf  die  angegebene  Weise  in  den  Besitz  derselben  gekommen
ist.  Wie  wir  aus  den  dankenswerthen  Nachrichten  Rockingers
über  die  Familie  ersehen,  waren  spätere  Mitglieder  derselben
Liebhaber  von  Handschriften.  Dass  ein  solches  eine  Handschrift,
die  einst  dem  Rüdiger  Maness  gehörte,  erwarb,  ist  doch  viel
wahrscheinlicher,  als  dass  dieser,  der  auf  solche  Dinge  selbst
grossen  Werth  legte,  sie  an  einen  Kriegskameraden  verschenkte.
Hatte  man  nun,  wie  bei  dem  UebSsr  ein  stimmen  der  Jahres  ­
angaben  mit  den  geschichtlichen  Ereignissen  in  der  Inschrift
nicht  unwahrscheinlich  sein  dürfte,  eine  Ueberlieferung,  dass
ein  Ahnherr  des  Geschlechtes  unter  Rudolf  von  Habsburg  in
der  Schweiz  kämpfte,  so  konnte  es  doch  sehr  nahe  liegen,
beides  durch  eine  gefälschte  Inschrift  in  nähere  Verbindung  zu
bringen,  der  Handschrift  damit  eine  erhöhte  Bedeutung  für  die
Familie  beizulegen.
Handelt  es  sich  bei  dieser  Annahme  nur  um  eine  nächstliegcnde
  Vermuthung  über  den  Hergang,  so  scheinen  sich  doch
auch  einige  bestimmtere  Anhaltspunkte  dafür  zu  ergeben,  dass
die  Handschrift  erst  später  in  den  Besitz  der  Familie  kam.
Diese  besass  insbesondere  auch  eine  Handschrift  des  um  1350
vollendeten  Buches  Konrads  von  Megenberg  von  den  natürlichen ­
  Dingen,  welche  zugleich  zur  Eintragung  von  Familiennotizen ­
  benutzt  wurde;  vgl.  Rockinger  a.  a.  0.  158  ff.  Darin
befindet  sich  nun  die  Abbildung  eines  vor  einem  Crucifix
knieenden  Ritters,  welche  sich  nach  der  Beschreibung  in  Färingers ­
  Handschrift  genau  ebenso  bei  der  Inschrift  der  Handschrift ­
  P.  befunden  hat;  weiter  auch  das  Wappen,  dann  die
Jahreszahl  1389  und  die  Verse:  Mein  grae  har  vnd  altte  gstalt
liombt  mir  von  krieg  vnglükh  vncl  vbl  manigfalt;  grosz  sorg  vnd
arheith  mir  wardt  angeleyth,  machet  mich  gra  vor  rechter  zeith.
Hier  fehlt  also  nicht  allein  jede  Beziehung  auf  jenen  altern
Heinrich,  sondern  in  der  Familie  selbst  sah  man  in  dem  Ritter
laut  einer  von  anderer  Hand  zugefügten  Unterschrift  einen
Stefan  von  Preckendorf,  der  in  jener  Zeit  auch  urkundlich
nachzuweisen  ist  und  mit  dem  überhaupt  die  eingetragenen
Familiennachrichten  beginnen.
Die  auffallende  Uebereinstimmung  beider  Handschriften
bezüglicli  der  eingemalten  Bilder  bringt  Rockinger  a.  a.  O.  192
auf  den  Gedanken,  sie  sei  auf  eine  gemeinsame  dritte  Quelle
            
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