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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

802

Ficker.

Entscheidend  war  mir,  dass  die  Inschrift  nicht  echt  sein  kann
und  damit  denn  doch  auch  Zweifel  an  ihrer  Glaubwürdigkeit
ihre  ausreichende  Berechtigung-  finden  dürften.
Da  die  ganze  Inschrift  in  erster  Person  gefasst  ist,  so
wird  ihre  Echtheit  davon  abhängig  zu  machen  sein,  ob  sie
wirklich  von  Heinrich  von  Preckendorf  selbst  herrühren  kann.
Schrieb  sie  dieser  angeblich  nach  einem  Kriegerleben  von  ein
und  dreissig  Jahren,  während  er  mindestens  schon  1264  Kriegsdienste ­
  that,  so  muss  sie,  soll  sie  echt  sein,  wohl  noch  im
dreizehnten  Jahrhunderte  geschrieben  sein.
Dass  sie  so,  wie  sie  vorliegt,  schon  ihrer  Sprache  und
Schreibweise  wegen  dieser  Zeit  nicht  angehören  kann,  wird
einer  genaueren  Beweisführung  wohl  nicht  bedürfen.  So  fallt
schon  auf  den  ersten  Blick  die  häufige  Verdoppelung  der  C011-sonanten
  auf,  wie  sie  doch  erst  in  den  späteren  Zeiten  des
vierzehnten  Jahrhunderts  beginnt.  Halten  wir  uns  an  ein  nächstliegendes
  Beispiel.  Rockinger  hat  in  seinem  erwähnten  Aufsätze, ­
  dann  insbesondere  in  einer  zweiten  Abhandlung:  Aufzeichnungen ­
  über  die  oberpfälzische  Familie  von  Präckendorf
(Münchener  Sitzungsber.  1868.  1,  152  ff.),  alle  urkundlichen
Erwähnungen  der  Familie  zusammengestellt.  In  allen  Erwähnungen ­
  des  vierzehnten  Jahrhunderts  heisst  es  Preckendorf  er,
mit  Ausnahme  einer  einzigen  der  Erwähnungen  aus  dem
leuchtenbergischen  Lehenbuche  (a.  a.  O.  176),  wo  zwar  auch
Pregendorf,  daneben  aber  einmal  Pregendorjfer  geschrieben  ist.
Seit  1408  linden  wir  dann  eben  so  regelmässig  die  Schreibweise
Preclcendorff  und  Prechendorffer.  Und  nicht  anders  ist  das  bei
der  dreimaligen  Erwähnung  des  Namens  in  der  Inschrift,  wie
diese  denn  auch  entsprechend  graff,  Rudolf,  lvilff,  schriftlich,
fünjf  schreibt.  In  ihrer  jetzigen  Gestalt  wird  die  Inschrift
schwerlich  einer  früheren  Zeit,  als  dem  fünfzehnten  Jahrhunderte ­
  angehören.
So  wenig  das  zu  bestreiten  sein  dürfte,  so  nahe  liegt
freilich  auch  der  Ein  wand,  dass  uns  die  Inschrift  nicht  im
Original,  sondern  in  einer  Abschrift  von  1609  vorliegt  und
demnach  nur  der  Abschreiber  die  Schreibweise  seiner  Zeit  angewandt ­
  haben  wird.  Diese  Annahme  aber,  so  zulässig  sie
unter  andern  Verhältnissen  sein  möchte,  wird  hier  aufs  bestimmteste ­
  ausgeschlossen.
            
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