Ueber die Entßteliungszeit des Scliwabenspiegels.
801
erschöpft, was sich zu Gunsten der Glaubwürdigkeit jener Inschrift
geltend machen lässt.
Gehen wiz* zu den Bedenken über. Dass Hei'r Rü d i g ei*
sich schon in verhältnissmässig jungen Jahren eine solche Handschrift
fertigen Hess, mag sein; sie gibt uns dann eben, wie
auch Rockinger bemerkt, den Beweis, wie früh er neben kriegerischem
und politischem Treiben doch auch friedlichem Bestrebungen
zugewandt war. Eher mag es auffallen, dass er
sich so bald von einer Handschrift wieder trennen mochte, die
eigens für ihn gefertigt war, auf die er doch gewiss in einer
Zeit, wo die Abschriften des Rechtsbuches' noch schwerlich
leicht zu haben waren, besondere Werth legte. Und auch das
mag auffallen, dass er die Handschrift eines Rechtsbuches als
das passendste Geschenk für einen Kriegskameraden betrachtete,
der in spätere Zeiten bedauert, dass Schlachten und Blutvergiessen
den Hauptinhalt seines Lebens bildeten.
War der Preckendorfer seit 1264 beim Grafen Rudolf,
so dürfte er doch auch an der Fehde gegen Peter von Savoien
1265 betheiligt gewesen sein. Erwähnt er diese nicht, so mag
sich das allerdings genugsam daraus erklären, dass er eben nur
von der Fehde sprechen will, während der er von Herrn Rüdiger
die Handschrift verehrt erhielt. Dann aber scheint er
die Fehde gegen die Regensberger im Jahre 1267 mit der Fehde
gegen den Bischof von Basel und die Toggenburger zusammenzuwerfen,
welche erst im Jahre seines Abzuges zum Ausbruche
kam. Freilich, so genau sind wir über diese Dinge nicht
zznterrichtet, dass sich da nicht vielleicht alles leicht ordnen
würde, wenn uns die vom Preckendorfer erwähnten Schriften
noch zu Gebote ständen. Bedauei’t Rockinger wiederholt den
Verlust des Reisbuches, so würde mir da das ihm vom Gi’afen
Rudolf von Habsburg ausgestellte Dienstcertificat kaum von
geringerem Interesse sein. Insbesondere auch desshalb, weil
mir etwas, was sich diesem schriftlichen, redlichen und gnädigen
Abschied an die Seite stellen Hesse, bisher erst im folgenden Jahrhundert
aufgefallen ist zznd auch da nur in Italien, wo der
handwerksmässige Söldnerdienst zur vollsten Entwicklung gelangt
war.
Doch waren es in keiner Weise derartige Erwägungen,
welche mich von vornherein jener Inschrift misstrauen Hessen.