Zur Metaphysik des Schönen.
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rischer Conceptionen sind eben nichts anderes, als die in ihre
absolute Vollendungsform umgebildeten Vorstellungen und Bilder
der zeitlichen Erfahrungswirklichkeit, und sind demnach nur
mentale Anticipationen dessen, was dereinst bleibend sein
wird, wenn die vergänglichen Erscheinungen der zeitlich unvollendeten
Welt vorübergegangen sein werden, im Reiche der
ewigen Ideen aber seit ewig wirklich ist. Es ergibt sich hieraus,
dass das dichterische Bewusstsein, das sich in den Hervorbringungen
des Kunstschönen ausprägt, auf einen höheren Grad
von Wahrheitsgehalt Anspruch hat, als das bei der erfahrungsmässigen
Wirklichkeit stehen bleibende Denken; die Idee des
Schönen hat metaphysische Realität, und tritt kraft derselben
den Ideen das Wahren und Guten, mit welchen sie unlöslich
verschlungen ist, gleichwürdig und gleichberechtiget zur Seite.
Das Schöne hat für uns seine nächste und unmittelbarste
Wirklichkeit in der sinnlichen Erscheinung, sofern diese als
ausdrucksvolle Vergegenwärtigung einer höheren idealen Wirklichkeit
sich darbietet; aber schon im Bereiche des sinnlich
Erscheinenden unterscheiden wir das Schöne im engeren Sinne
von den über die vollkommene harmonische Geschlossenheit
desselben hinausgreifenden Darstellungen des Würdigen, Grossen,
Erhabenen, die bereits auf ein über die sinnliche Anschaulichkeit
hinausliegendes Gebiet eines Schönen höheren Art
hinweisen. Ueber dem Sinnlichschönen liegt das Geistigschöne,
und das Absolutschöne muss wol als ein Schönes
geistigster Art gedacht werden. Es wird zusammenfallen mit
dem göttlichen Sein als Urform alles geschöpflichen Seins, und
im überweltlichen Reich der Ideen oder göttlichen Urbildungen
alles Geschaffenen seine Wirklichkeit haben. Diese Ideen
sind aber zugleich auch als lebendige Gestaltungsmächte zu
denken, deren Wirken darauf ausgeht, den ihnen immanenten
Geistinhalt in der nach ihnen zu gestaltenden Wirklichkeit
vollkommen zur Erscheinung zu bringen, oder das Geschaffene
vollkommen schön zu machen. Die absolute Freiheit und Beweglichkeit
der kunstschöpferischen Thätigkeit ist im rein
geistigen Elemente, und der grösste, absolut grosse Kunstschöpfer
wird derjenige sein, welcher, in seinen Conceptionen
von einem gegebenen Stoffe absolut unabhängig mit der Form
auch den Stoff schafft, so dass dieser im Voraus in das Ver-