Zur Metaphysik des Schönen.
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wol darin wird die im Geiste, d. h. im bewussten Selbstdenken
erfasste Aufgabe des Cultus der Schönheitsidee bestehen. Die
vollkommene Durchführung dieser Aufgabe wird aber einer
vollkommenen Rückvermittelung der modernen Culturbestrebungen
in die dem Monschheitsgeiste schon in den beiden vorausgegangenen
Weltaltern des menschheitlichen Culturlebens zum
Bewusstsein gekommenen Menschheitsideale gleichkommen.
Denn nicht um die Auffindung neuer Schönheitsideale handelt
es sich — diese sind uns vielmehr durch die Offenbarungen
des Göttlichen in Natur und Geschichte schon für immer gegeben
— sondern um die Gestaltung des gesammten zeitlichen
Weltdaseins des Menschen auf allen Gebieten seiner Lebensund
Schaffensthätigkeit nach jenen Idealen, wodurch eben dem
Menschlichschönen nach allen seinen wesentlichen Seiten und
Erscheinungsformen zum Ausdruck verholfen werden soll. Dass
diese der menschlichen Daseinswirklichkeit zugekehrten Verschönerungstrebungen
auch im Gebiete des sogenannten Kunstschönen
sich reflectiren werden, ist selbstverständlich; und
damit ist der neuzeitlichen Ivunstthätigkeit ein unermesslich
weiter ja geradezu unerschöpflicher Wirkungskreis eröffnet,
innerhalb dessen sie trotz ihrer stetigen und unerlässlichen
Orientirung an den grossen Kunstleistungen der vergangenen
Weltalter in Neuschöpfungen voll urthümlicher Frische und
Tiefe sich ergehen kann. Wie der Inhalt des Lebens unermesslich
reich ist, so wird und muss auch die in den Fluss
des Lebens getauchte künstlerische Schöpferkraft sicli nach
allen Seiten und Richtungen angeregt und geistig befruchtet
fühlen, und die im Geiste des Künstlers wiedergeborne Wirklichkeit
des gestaltenreichen und ereignissreichen Zeitdaseins
wird dem Geschlechte, das inmitten dieser Wirklichkeit steht,
das Bild seiner selbst im verklärten Wiederscheine als ideale
Vergegenwärtigung seiner höchsten und heiligsten Hoffnungen
und Strebungen, seiner Ahnung und Sehnsucht nach einer im
Geiste geschauten Vollendung seines Daseins Vorhalten. Der
sogenannte realistische Zug, welcher der Kunst der Gegenwart
anhaftet, wird wol eben nur der Reflex der auf die verschönernde
Umbildung der gesammten Lebenswirklichkeit gerichteten
Strebungen sein; er wird aber nicht der für immer
herrschende sein können, sondern nur dazu dienen, ideal ver-