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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Zur  Metaphysik  des  Schönen.

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wol  darin  wird  die  im  Geiste,  d.  h.  im  bewussten  Selbstdenken
erfasste  Aufgabe  des  Cultus  der  Schönheitsidee  bestehen.  Die
vollkommene  Durchführung  dieser  Aufgabe  wird  aber  einer
vollkommenen  Rückvermittelung  der  modernen  Culturbestrebungen
  in  die  dem  Monschheitsgeiste  schon  in  den  beiden  vorausgegangenen ­
  Weltaltern  des  menschheitlichen  Culturlebens  zum
Bewusstsein  gekommenen  Menschheitsideale  gleichkommen.
Denn  nicht  um  die  Auffindung  neuer  Schönheitsideale  handelt
es  sich  —  diese  sind  uns  vielmehr  durch  die  Offenbarungen
des  Göttlichen  in  Natur  und  Geschichte  schon  für  immer  gegeben ­
  —  sondern  um  die  Gestaltung  des  gesammten  zeitlichen
Weltdaseins  des  Menschen  auf  allen  Gebieten  seiner  Lebensund ­
  Schaffensthätigkeit  nach  jenen  Idealen,  wodurch  eben  dem
Menschlichschönen  nach  allen  seinen  wesentlichen  Seiten  und
Erscheinungsformen  zum  Ausdruck  verholfen  werden  soll.  Dass
diese  der  menschlichen  Daseinswirklichkeit  zugekehrten  Verschönerungstrebungen
  auch  im  Gebiete  des  sogenannten  Kunstschönen ­
  sich  reflectiren  werden,  ist  selbstverständlich;  und
damit  ist  der  neuzeitlichen  Ivunstthätigkeit  ein  unermesslich
weiter  ja  geradezu  unerschöpflicher  Wirkungskreis  eröffnet,
innerhalb  dessen  sie  trotz  ihrer  stetigen  und  unerlässlichen
Orientirung  an  den  grossen  Kunstleistungen  der  vergangenen
Weltalter  in  Neuschöpfungen  voll  urthümlicher  Frische  und
Tiefe  sich  ergehen  kann.  Wie  der  Inhalt  des  Lebens  unermesslich ­
  reich  ist,  so  wird  und  muss  auch  die  in  den  Fluss
des  Lebens  getauchte  künstlerische  Schöpferkraft  sicli  nach
allen  Seiten  und  Richtungen  angeregt  und  geistig  befruchtet
fühlen,  und  die  im  Geiste  des  Künstlers  wiedergeborne  Wirklichkeit ­
  des  gestaltenreichen  und  ereignissreichen  Zeitdaseins
wird  dem  Geschlechte,  das  inmitten  dieser  Wirklichkeit  steht,
das  Bild  seiner  selbst  im  verklärten  Wiederscheine  als  ideale
Vergegenwärtigung  seiner  höchsten  und  heiligsten  Hoffnungen
und  Strebungen,  seiner  Ahnung  und  Sehnsucht  nach  einer  im
Geiste  geschauten  Vollendung  seines  Daseins  Vorhalten.  Der
sogenannte  realistische  Zug,  welcher  der  Kunst  der  Gegenwart
anhaftet,  wird  wol  eben  nur  der  Reflex  der  auf  die  verschönernde ­
  Umbildung  der  gesammten  Lebenswirklichkeit  gerichteten ­
  Strebungen  sein;  er  wird  aber  nicht  der  für  immer
herrschende  sein  können,  sondern  nur  dazu  dienen,  ideal  ver-
            
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