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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Werner.

anderen  einhergeht  und  die  grundwesentliclie  Bedingung  der
Auffassung  und  des  Verständnisses  derselben  ist.  Wollte  man,
wie  es  schon  hin  und  wieder  geschehen  ist  und  im  heutigen
Zeitbewusstsein  liegt,  drei  Weltalter  des  menschheitlichen
Culturlebens  unterscheiden,  deren  ersteres  der  vorchristlichen
antiken  Weltzeit  angehört,  während  das  zweite  specifisch  die
Signatur  des  christlich-kirchlichen  Wcltgedankens  trägt,  das
dritte  aber  die  vom  Standpunkt  des  Selbstdenkens  aus  unternommene ­
  Verständigung  über  den  geistigen  Lebensinhalt  der
beiden  vorausgegangenen  Culturepochen  zu  bedeuten  hätte:  so
würde  der  vorchristlich-antiken  Menschheit  specifisch  die  Wahrnehmung ­
  und  der  Cultus  des  im  Reiche  der  Sichtbarkeit  und
im  kosmischen  Sein  ausgedrückten  Göttlichschönen,  Erhabenen
und  Heiligen  zuzuweisen  sein,  der  darauf  folgenden  christlichkirchlichen ­
  Weltepoche  hingegen  die  Hinwendung  zu  den
einer  überweltlichen  Wirklichkeit  angehörigen  Idealen  des
Schönen  und  Heiligen.  Da  in  diesen  beiden  Arten  von  Schönheitsidealen ­
  der  Substanzialgehalt  des  Göttlichschönen  erschöpft
ist,  so  kann  die  Aufgabe  der  Gegenwart,  die  auf  dem  Grunde
der  Vergangenheit  steht,  zunächst  nur  darin  bestehen,  ihr
Streben  nach  Gewinnung  und  allseitiger  Durchbildung  des
Menschlichschönen  in  Gedanke,  Leben  und  Sitte  am  Schönheitsculte
  der  vorangegangenen  beiden  Weltzeiten  des  universalen
Culturlebens  zu  orientiren,  und  die  in  den  Denkmalen  jenes
Cultus  niedergelegten  Offenbarungen  des  Geistes  als  solche  zu
erkennen,  in  deren  Verständniss  wie  die  Gegenwart,  so  jede
folgende  Zeit  sich  zu  vertiefen  hat,  um  in  dem  Cultus  des
Menschlichschönen  von  der  Naturtreue  und  göttlichen  Tiefe
des  wahrhaft  Schönen  niemals  abzukommen.  Daneben  ist  aber
nicht  zu  verkennen,  dass  die  Neuzeit  als  das  dritte  Weltalter
der  menschheitlichen  Culturentwickelung  ihre  eigenthümliche,
von  den  Culturaufgaben  der  beiden  vorausgegangenen  Weltalter
specifisch  unterschiedene  Aufgabe  hat,  die  darin  besteht,
neben  den  Offenbarungen  des  Göttlichschönen  und  Erhabenen
in  Natur  und  Geschichte  die  Offenbarungen  derselben  im
Geiste  zur  Anschauung  zu  bringen,  und  die  künstlerische  Verwirklichung ­
  des  von  ihr  angestrebten  Schönheits-  und  Bildungsideals ­
  in  der  ganzen  Breite  und  Allgemeinheit  der  modernen
Culturthätigkeit  anzubalmen  und  durchzuführen.  Denn  einzig
            
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