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Werner.
anderen einhergeht und die grundwesentliclie Bedingung der
Auffassung und des Verständnisses derselben ist. Wollte man,
wie es schon hin und wieder geschehen ist und im heutigen
Zeitbewusstsein liegt, drei Weltalter des menschheitlichen
Culturlebens unterscheiden, deren ersteres der vorchristlichen
antiken Weltzeit angehört, während das zweite specifisch die
Signatur des christlich-kirchlichen Wcltgedankens trägt, das
dritte aber die vom Standpunkt des Selbstdenkens aus unternommene
Verständigung über den geistigen Lebensinhalt der
beiden vorausgegangenen Culturepochen zu bedeuten hätte: so
würde der vorchristlich-antiken Menschheit specifisch die Wahrnehmung
und der Cultus des im Reiche der Sichtbarkeit und
im kosmischen Sein ausgedrückten Göttlichschönen, Erhabenen
und Heiligen zuzuweisen sein, der darauf folgenden christlichkirchlichen
Weltepoche hingegen die Hinwendung zu den
einer überweltlichen Wirklichkeit angehörigen Idealen des
Schönen und Heiligen. Da in diesen beiden Arten von Schönheitsidealen
der Substanzialgehalt des Göttlichschönen erschöpft
ist, so kann die Aufgabe der Gegenwart, die auf dem Grunde
der Vergangenheit steht, zunächst nur darin bestehen, ihr
Streben nach Gewinnung und allseitiger Durchbildung des
Menschlichschönen in Gedanke, Leben und Sitte am Schönheitsculte
der vorangegangenen beiden Weltzeiten des universalen
Culturlebens zu orientiren, und die in den Denkmalen jenes
Cultus niedergelegten Offenbarungen des Geistes als solche zu
erkennen, in deren Verständniss wie die Gegenwart, so jede
folgende Zeit sich zu vertiefen hat, um in dem Cultus des
Menschlichschönen von der Naturtreue und göttlichen Tiefe
des wahrhaft Schönen niemals abzukommen. Daneben ist aber
nicht zu verkennen, dass die Neuzeit als das dritte Weltalter
der menschheitlichen Culturentwickelung ihre eigenthümliche,
von den Culturaufgaben der beiden vorausgegangenen Weltalter
specifisch unterschiedene Aufgabe hat, die darin besteht,
neben den Offenbarungen des Göttlichschönen und Erhabenen
in Natur und Geschichte die Offenbarungen derselben im
Geiste zur Anschauung zu bringen, und die künstlerische Verwirklichung
des von ihr angestrebten Schönheits- und Bildungsideals
in der ganzen Breite und Allgemeinheit der modernen
Culturthätigkeit anzubalmen und durchzuführen. Denn einzig