Zur Metaphysik des Schönen.
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Graden sich zur tiefsten Seelenerschütterung, zu einem völligen
Aussersichversetztwerden steigern kann. Selbst das ruhige
Gefallen am wirklich Schönen kann nicht ohne ein bestimmtes
Pathos der inneren Seelenempfindung gedacht werden; es muss
ihm wesentlich der Affect der Bewunderung beigegeben sein,
weil im wahrhaft Schönen dem Betrachter in der That etwas
Wundervolles entgegentritt. Die sichtbare Naturwirklichkeit
in ihrer Ganzheit ist etwas Wundervolles und wundervoll
Erhabenes: sie weckt aber durch sich selbst den ahn untrevollen
Gedanken einer noch höheren, wundervolleren Ordnung
der Dinge, die hinter ihr und über ihr steht, und auf welche
sie durch sich selbst einerseits durch ihre Symbolik, andererseits
durch ihre eigene zeitliche Unvollendung hinweist. Dass
diese höhere, vollendete Ordnung, und wäre es vorläufig auch
nur in Gottes ewigen Gedanken, existent sein müsse, ist dem
sinnigen Betrachter der sichtbaren Natur so gewiss, als er die
denknothwendige Ueberzeugung hat, dass das Schöne, das in
der in den Bereich unserer zeitlich-irdischen Erfahrung fallenden
Naturwirklichkeit ausgedrückt ist, nur die Abschattung
oder Vorbildung seines vollendeten Ausdruckes sein könne.
Am richtigsten wird man annehmen, dass sie sowol das eine
wie das andei'e, theils Abschattung, theils Vorbildung sei; die
nähere Auseinandersetzung dessen gehört aber nicht hieher,
sondern wäre einer speculativen Kosmologie zuzuweisen.
Die sichtbare Natur gränzt in ihrer wundervollen Erhabenheit
an’s Göttliche an, und gibt sich doch andererseits
wieder zufolge ihrer allüberall nach Aussen gekehrten Materialität
und materialen Veräusserlichung als das Unterste im Bereiche
alles wahrhaft Seienden zu erkennen. Sie kann auch
demzufolge nur als Unterlage zur Verwirklichung höherer
Schönheitsformen dienen, die nicht mehr ihr selber als solcher
angehören, sondern durch ein höheres, unmittelbar göttliches
Wirken in sie hineingetragen werden müssen. Ein solches
Schönheitswunder höherer Art, dessen Verwirklichung die sichtbare
Naturwirklichkeit als Unterlage diente, ist zunächst der
in die tellurische Sphäre hineingesetzte primitive Mensch in
seinem der geschichtlichen Forschung entrückten Anfangsstande
und vor seiner geschlechtlichen Differenzirung, in
welchem der Ewige ein sichtbares Bild seiner selbst in die
Sitzungsber. d. pliil.-kist. CI. LXXVII. Bd. IV. Hft. 48