sinnigen Beschauer zu einer Offenbarung höchster und erhabenster
Ideen, zu einer Offenbarung des Göttlichen selber
vertieft. Im Anblick jener wundervollen Verknüpfungen und
Wechselbeziehungen, die das Niederste mit dem Höchsten,
das Nächste mit dem Fernsten und Entlegensten in causale
Verbindungen setzt, geht dem Beschauer die Idee einer hohen,
hehren Ordnung auf, die selber göttlich, Göttliches verkündet,
und in der unübersehbaren Weite und Grösse ihrer Fassung
ihm den Gedanken des Unermesslichen und Unendlichen nahe
rückt. Ohne die geschlossene Totalität des Weltganzen durch
sich selber darzustellen, offenbart das sichtbare Weltganze
durch sich selber doch die Idee derselben in dem Gegensätze
zwischen der lichten Oberwelt und der dämmernden Niederwelt,
in welchem sich der Gegensatz zwischen der unsichtbaren
Geistwelt und dem ihr untergeordneten Reiche der Sichtbarkeit
reflectirt; der Gegensatz zwischen der lichten Tagseite
und der dunklen Nachtseite des Naturdaseins deutet in ausdrucksvoller
Symbolik tiefer liegende Geheimnisse des Lebens
an, die einem über die sichtbare Wirklichkeit erhabenen Bereiche
angehürig, auch in dieser selber sich abschatten und
die sichtbare Wirklichkeit in den Zusammenhang mit der
moralischen Ordnung und dem Gesammtdasein der Welt
verschlungen erscheinen lassen. So ersetzt die Natur, was
ihr an plastischer Vollendung ihrer Gestaltungen abgeht,
durch die Grösse und Hoheit ihrer Gesammterscheinung, durch
die ahndungsvollen Tiefen jener Offenbarungen, die sie als
stumme Prophetin schweigend andeutet, durch die Erhabenheit
höchster und ewiger Gedanken, welche sie laut redend
verkündet.
Das Naturschöne steht als solches hinter jeder höheren
Art des Schönen zurück. Aber die Natur in ihrer Ganzheit
ist wahrhaft schön, und die Schönheit der Natur als Ganzen
lehrt, dass in dem wahrhaft Schönen sich etwas Hohes und
Heiliges offenbare, und demzufolge die ästhetische Wahrnehmung
und Empfindung eine über das Gefallen an der
blossen Form als solcher hinausgreifende Seelenempfindung
sei. Die ästhetische Empfindung schliesst in ihren Tiefen mehr
als ein blosses Gefallen in sich; sie ist ein Ergriffensein von
der Macht des Schönheitseindruckes, das in seinen höchsten