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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Werner.

Bildungen  und  Gestaltungen,  soweit  sie  den  Charakter  des
Menschenwürdigen  und  Menschlichedlen  an  sich  haben  müssen,
unter  das  Richtmass  des  vom  Naturschönen  wesentlich  verschiedenen ­
  Ethischschönen  fallen,  obwol  durch  diese  Kategorie
das  charakteristische  Wesen  des  Menschlichschönen  nur  ganz
im  Allgemeinen  angegeben,  ja  eigentlich  nur  die  wesentliche
Grundvoraussetzung  und  unerlässliche  Vorbedingung  des  Menschlichschönen ­
  bezeichnet  ist.  Denn  das  Ethische  als  solches  bezieht ­
  sich  nicht  auf  das  menschliche  Bilden  und  Gestalten
als  solches,  sondern  auf  die  Behauptung  der  Macht  und  Freiheit
des  sittlich  guten  Willens  und  auf  die  sieghafte  Vorherrschaft
des  dem  Guten  um  seiner  selbst  willen  dienenden  Geistwillens
gegen  jedes  unedle  und  selbstische  Interesse.  Indess  bethätiget
sich  die  Macht  des  ethischen  Willens  durch  sich  selber  auch
schon  als  gestaltende  Macht,  welche,  indem  sie  die  menschliche
Daseinswirklichkeit  der  Idee  des  Menschendaseins  adäquirt,
derselben  einen  unter  das  Mass  der  Schönheitsidee  fallenden
Charakter  aufdrückt,  und  die  notliwendige  Unterlage  für  die  specifisch
  auf  die  Verwirklichung  des  Schönen  als  solchen  gerichteten ­
  Thätigkeiten  bereitet.  Auch  ist  die  sittliche  Bethätigung
des  Menschheitsgeistes  eine  denknothwendige  Vorbedingung  der
Herbeiführung  der  vollendeten  Welt  und  Ordnung,  oder  jener
absolut  schönen  Wirklichkeit,  welcher  der  Mensch  im  unsterblichen ­
  Sein  angehören  soll  und  will;  der  Eintritt  dieser
vollendeten  Wirklichkeit  selber  ist  ein  Werk  Gottes,  das  in
der  ursprünglichen  Welteinrichtung  grundgelegt,  durch  die
Thaten  der  göttlichen  Weltleitung  seiner  Vollendung  entgegengeführt ­
  werden  soll.
Hier  nun,  im  weltleitenden  göttlichen  Walten,  welches
das  gesammte  irdische  Zeitdasein  des  Menchen  durchleuchtet,
tliüt  sich  eine  neue  Art  von  Schönheitsoffenbarung  auf,  grösser
und  erhabener  als  jene  in  der  Natur,  lichter  und  herrlicher
als  jene,  die  sich  in  der  menschlichschönen  Gestaltung  der
irdischen  Daseins  weit  des  Menschen  aufthut.  Das  menschlich
Edle  und  menschlich  Schöne  hat  seinen  absoluten  Bestand
und  Halt  nicht  in  sieh  selbst,  sondern  in  einem  Höheren  iibei
ihm;  und  wie  es  nach  Unten  auf  dem  Boden  der  natürlichen
Wirklichkeit  steht,  so  muss  es  nach  Oben  durch  ein  unmittelbar ­
  in  s  Menschendasein  eingreifendes  Continuirliches  göttliches
            
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