Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Kant  und  die  positive  Philosophie.

67

sich  derselbe,  schon  jetzt  ,positiv  im  Einzelnen',  entschliessen
könnte,  seine  ,zu  metaphysische'  mit  der  ,positiven'  Methode
zu  vertauschen.  Gegen  die  ,Pansophie'  Ilegel’s  hat  der  Universal-Encyclopädik ­
  er  alles  positiven  Wissens  nichts  einzuwenden. ­

Wenn  er  an  derselben  Stelle  Kant  lobt,  ja  ihn  über
Hegel  stellt,  den  er  ,moins  fort'  nennt,  so  ist  es  sicherlich  nicht
wegen  des  skeptischen  Ferments  seiner  Philosophie  geschehen.
Vom  Geiste  der  Skepsis  ist  in  der  positiven  Philosophie  zwar
der  Theologie  und  Metaphysik,  der  eigenen  dogmatischen  Erkenntnistheorie ­
  und  inductiven  Methode  gegenüber  aber  gar
nichts  zu  merken.  Auch  Kant  ist  wie  Hegel  ein  ,Metaphysiker',
aber  derjenige,  welcher  der  positiven  Philosophie  ,am  nächsten
steht'  (le  metaphysicien  le  plus  rapproche  de  la  pliilosophie
positive).  Von  der  Lecture  jener  Kant’schen  Schrift,  die  er
durch  Eichthal  kennen  gelernt,  ist  er  völlig  berauscht;  er
verschiebt  Hegel’s  Besprechung  auf  ein  andermal;  die  ,Ueberlegenheit,
  (superiorite)  der  Kant’schen  Abhandlung  verschlingt
seine  Aufmerksamkeit'.
Es  ist  das  einzigemal,  dass  man  bei  Comte  einer  solchen
Lobpreisung  Kant’s,  überhaupt  eines  deutschen  Philosophen
begegnet.  Sein  Misstrauen  gegen  die  ,Metaphysiker',  das  auch
in  obigem  Briefe  durchblickt,  war  zu  gross,  und  seine  eigene
,erudition‘  in  der  philosophischen  Literatur,  besonders  des  Auslandes, ­
  wie  er  an  demselben  Orte  bemerkt,  nicht  gross  genug.
Umsomehr  muss  die  fast  rückhaltlose  Bewunderung  Kant’s  in
Erstaunen  setzen.  Wenn  seiner  Arbeit,  sagt  er,  wie  sie  jetzt
sei  (der  Cours  de  pliilosophie  positive  war  damals  [1824]  noch
nicht  geschrieben),  das  Studium  jener  Schrift  Kant’s  vorangegangen ­
  wäre,  so  hätte  sie  in  seinen  Augen  viel  an  ihrem
Werth  eingebüsst.  Wäre  nicht  die  Entdeckung  des  Entwicklungsgesetzes ­
  des  menschlichen  Geistes  durch  die  drei  Zustände: ­
  den  theologischen,  metaphysischen  und  positiven,  Kant
hätte  ihm  kein  anderes  Verdienst  übriggelassen,  als  seine
(Kant’s)  Idee  systematisirt  und  festgehalten  zu  haben.
Es  ist  kaum  möglich  ein  Lob  auszudenken,  das  bei  dem
mehr  als  stark  entwickelten  Selbstgefühl  des  Urhebers  der
positiven  Philosophie  ausschweifender  lauten  könnte.  Auch
findet  es  dessen  Biograph,  dem  das  Verdienst  gebührt,  jenes
5*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.