Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

66

Zimm  ermann.

nothwendige  Formen  der  gesammten  Erscheinungswelt,  aber
nur  weil  sie  notliwendige  Formen  unseres  Erkenntnisvermögens
sind.  Der  Schluss,  dass  andere  Formen  der  Erfahrung,  z.  B.
die  Zweckmässigkeit,  Intelligenz  und  bewusste  Absichtlichkeit
der  Natur  oder  Geschichte  nicht  wirkliche  Erfahrung,  sondern
durch  anthropomorphistische  Uebertragung  subjectiver  Anschauungsfonnen
  auf  die  objective  Welt  verursachter  Schein
einer  solchen  sein  möchten,  liegt  von  da  nicht  ferne.
Durch  Bedenken  der  Art  wird  die  glückliche  Unbefangenheit ­
  der  positiven  Philosophie  nicht  beunruhigt.  Ihr  dogmatisches ­
  Vertrauen  in  die  inductive  ist  so  unbedingt,  wie  das
der  speculativen  Philosophie  in  die  absolute  Methode.  Im  Besitze
derselben  scheint  ihr  die  Biesenaufgabe,  die  unveränderlichen
Naturgesetze  im  Bereich  aller  leblosen  wie  lebendigen  Erscheinungen, ­
  die  der  Gesellschaft  inbegriffen,  zu  entdecken,  nicht
schwieriger  als  der  letzteren  der  Ersatz  alles  empirischen
Wissens  durch  apriorische  Construction  an  der  Hand  der  dialektischen ­
  Methode.  Als  er  durch  seinen  damaligen  Freund,
Gust.  v.  Eichthal,  der  sich  später  von  ihm  trennte  und  zu
St.  Simon  überging,  der  ihn  mit  jener  Schrift  Kant’s  bekannt
machte,  von  der  sogleich  die  Rede  sein  wird,  eine  Notiz  von
Hegel  erhielt,  fand  er  zwischen  diesem  und  sich  selbst  ,eine
grosse  Zahl  von  Berührungspunkten*,  obwohl  nicht  (wie  Eiclithal)
  eine  ,Identität  des  Princips*  (il-y-a  entre  lui  et  nous  un
grand  nombre  de  points  de  contact,  quoique  je  ne  croie  pas,
comme  vous,  ä  l’identite  des  principes,  a.  a.  0.  p.  157).  Er
nennt  ihn  einen  ,esprit  positif  dans  les  details*  und  ,homme  de
merite*,  obgleich  ,trop  metaphysique*.  Er  liebt  durchaus  nicht
den  ,Geist*  (esprit),  den  Hegel  eine  so  ,sonderbare  Rolle*  (un
role  si  singulier)  spielen  lasse.  Dagegen  lobt  er  seine  Beobachtungsgabe; ­
  dass  die  Welt  nur  zu  einer  Zeit,  im  11.  Jahrhundert ­
  nämlich,  wahrhaft  christlich  gewesen  sei,  habe  er
richtig  gesehen;  eine  ,Beobachtung  von  solchem  Gewicht  beweise ­
  viel  für  ihn*  (prouve  beaucoup  pour  lui).  Aus  diesen
Bemerkungen  spricht  eine  Abneigung  gegen  die  Methode  Hegels,
insofern  sie  ,metaphysisch*,  keineswegs  aber  insofern  sie  von
dem  Vertrauen  auf  objective  Erkenntniss  belebt  ist.  Das  Talent
der  ,Beobachtung*,  das  er  in  Hegel  wahrzunehmen  glaubt,  lässt
ihn  Annäherung  wünschen  und  Verständigung  hoffen,  wenn
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.