Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Johannes  £raski,  Erzbischof  von  Gnesen.

593

Gefahr  heraufbeschwor,  die  in  der  Belagerung  Wiens  ihren
Höhepunkt  erreichen  sollte.
Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  dass  Zapolya’s  Sache  in
Polen  eine  populäre  war,  und  dass  der  König  selbst  eine  gegen
jenen  wohlwollende  Neutralität  bewahrte.  Dass  es  überhaupt
bei  dieser  sein  Bewenden  hatte,  dass  Sigismund  nicht  vielmehr
offen  für  seinen  Schwager  Partei  ergriff,  war  eine  Folge  der
Gefahren,  welche  er  selbst  zu  bestehen  hatte,  und  die  es  ihm
nicht  angezeigt  erscheinen  Hessen,  mit  dem  mächtigsten  Fürstenhause ­
  des  Jahrhunderts,  dem  habsburgischen,  zu  brechen.
Daher  finden  wir  trotz  der  Klagen,  zu  welchen  ihn  der  eigenmächtige ­
  Uebertritt  des  Hieronymus  Laski  in  Zapolya’s  Dienst
berechtigte,  wenigstens  anfangs  sein  Verhältniss  zu  diesem
nicht  getrübt. 1  Ob  Sigismund  von  den  Aufträgen,  die  den
Palatin  nach  Constantinopel  führten,  Kenntniss  hatte,  ist  uns
unbekannt.  Aber  auch  wenn  dies  der  Fall  gewesen  sein  sollte,
lässt  sich  vermuthen,  dass  der  König  die  in  der  Verbindung
Zapolya’s  mit  der  Pforte  für  sein  eigenes  Reich  beschlossene
Gefahr  unterschätzen  mochte.  Die  unerwartete  Macht,  mit
welcher  der  Sultan  sich  erhob,  und  dessen  anfänglicher  Erfolg
mussten  dann  freilich  die  Sache  auch  dem  polnischen  Hofe  in
anderem  Lichte  zeigen  und  ein  warnender  Zuruf  sein,  dass,
was  heute  dem  Nachbarreiche  widerfuhr,  nächstens  dem  eigenen ­
  Lande  drohen  könne.  Wir  dürfen  auch  nicht  vergessen,
dass  die  Königin  Bona  eine  Anverwandte  des  Hauses  Habsburg ­
  und  durch  die  bekannte  Bari’sche  Erbschaftsfrage  auf
dessen  guten  Willen  hingewiesen  war.  So  erklären  sich  die
1530  von  Neuem  in’s  Werk  gesetzten  Bemühungen  Sigismunds
den  Frieden  zwischen  Ferdinand  und  Zapolya  anzubahnen.
Aber  auch  jenem  zahlreichen  Adel,  der  innerlich  sich  mit  dem
Könige  mehr  zu  Zapolya  als  zu  dem  deutschen  Herrscher  hingezogen ­
  fühlte,  konnte  gleichwohl  der  Verlauf  der  ungarischen
Sache  willkommen  erscheinen,  einen  Anschlag  gegen  die  Laski
zu  versuchen.  So  dürfte  es  gekommen  sein,  dass  man,  da
Hieronymus  Laski,  der  Urheber  der  türkischen  Allianz,  unerreichbar ­
  war,  den  greisen  Erzbischof  des  Einverständnisses
mit  seinem  Neffen  in  dieser  Angelegenheit  beschuldigte.  Wir

1  Encyel.  powszechna  s.  v.  Easki  unter  Berufung  auf  die  Acta  Tomic.
38*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.