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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Zeissberg.

Martyriums  meines  heiligsten  Patrons  und  Wolilthäters  des
seligsten  Adalbert  zu  besuchen  und  nur  eine  Gelegenheit  dazu
suchte,  zweitens,  weil  mich  Bruder  Nicolaus  Schembeg
(=  Schömberg)  vom  Orden  St.  Dominici  im  Namen  des
Papstes  Leo  X.  davon  verständigte,  dass  der  Papst  sich
meines  Beistandes  und  Rathes  zur  Beilegung  des  Zwistes  zwischen ­
  dem  König  und  dem  Ordensmeister  bedienen  wolle,  und
dass  er  ein  Breve  bei  sich  habe,  das  er  mir  zu  Königsberg
oder  bei  dem  Ordensmeister  übergeben  wolle,  wo  er  sodann
auch  des  Papstes  Wunsch  mir  mittheilen  werde.  So  machte
ich  mich  auf  und  kam  am  16.  December  nach  Königsberg,
von  da  am  18.  desselben  Monates  an  den  Ort  des  Martyriums
meines  heiligsten  Patrons,  nach  der  Stadt  Fischhausen,  wo  ich
zwei  ihm  geweihte  Kirchen  aus  Stein  auf  einem  von  jener
Stadt  eine  halbe  Meile  entlegenen  Felde  besuchte,  eine  Messe
las  und  meinem  Patron  ein  Opfer  brachte.  Von  Fischhausen
kehrte  ich  am  20.  desselben  Monates  wieder  nach  Königsberg
zurück.  Unterwegs  wurde  ich  im  Auftrag  des  Herrn  Meisters
allenthalben  empfangen  und  begleitet  von  den  Oomthuren  und
Hauptleuten  der  Gegend,  entsprechend  bewirthet;  zu  Königsberg ­
  selbst  aber  gaben  mir  beim  Ein-  und  Auszug  aus  der
Burg  des  Meisters  der  pomesanische  Bischof 1  und  der  Herzog
von  Braunschweig 2  mit  einer  Schaar  von  etwa  200  Ordensrittern ­
  ehrenvolles  Geleit.  Ja  zu  Königsberg  hoben  mich  der
genannte  Bischof  und  der  oberste  Comthur  aus  dem  Wagen
und  führten  mich  in  die  Gemächer  des  Schlosses;  desgleichen
geleitete  mich  jener  zu  Pferd  nach  seinem  Schlosse  zu  Fischhausen ­
  und  bewirthete  mich  daselbst.  So  also  trug  die  Reise
mir  Ehrenbezeugungen  ein  und  kehrte  ich,  nachdem  ich  mit
Bruder  Nicolaus,  dem  päpstlichen  Legaten,  zu  Königsberg
über  die  preussische  Sache  verhandelt,  am  14.  Januar  1519
glücklich  mit  Gottes  Hilfe  nach  Lowicz  zurück.  Und  da
Bruder  Nicolaus  im  Namen  des  Papstes  und  unter  dessen
Obedienz  mir  befahl,  dass  ich  ihm  zur  Beilegung  des  Streites
behielflich  sei,  indem  er  sagte,  er  könne  mir,  falls  mein  Rath
erspriesslich  sei,  den  Cardinalat  versprechen,  ja  sofort  ortheilen,
dass  ich  jedoch  davon  ausser  ihm  mit  niemanden  sprechen

1  Hiob.  v.  Dobeneck.

2  Erich,  vgl.  Voigt  a.  a.  O.  IX,  503.
            
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