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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Kant  und  die  positive  Philosophie.

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des  Wissens  in  Geschichtskunde,  die  sich  auf  das  Gedächtniss,
Poesie,  die  sich  auf  die  Einbildungskraft,  und  Philosophie,  die
sich  auf  den  Verstand  gründen  soll,  mit  Fug  aussprechen
könnte.  In  Wahrheit,  bemerkt  Comte,  ist  der  Gegenstand  aller
unserer  Forschungen  einer  (un);  wir  theilen  ihn  aus  keinem
anderen  Grunde,  als  ,in  der  Absicht,  dessen  Schwierigkeiten  zu
sondern,  um  sie  leichter  lösen  zu  können'  (dans  la  vue  de
separer  les  difficultes,  pour  les  mieux  resoudre).  Von  dieser
erreichen,  wie  er  hinzufügt,  unsere  ,classisch'  gewordenen  Eintheilungen
  nicht  selten  das  Gegentheil;  es  gibt  wichtige  Fragen,
deren  Beantwortung  eine  bei  der  jetzigen  Gliederung  des  gelehrten ­
  Stoffes  unmögliche  Vereinigung  verschiedener  besonderer ­
  Gesichtspunkte  erheischt.  Sein  Bemühen  geht  daher  auf
die  Herstellung  eines  ,natürlichen 1  Systems  nach  Art  der  neuesten
,philosophischen  Arbeiten'  der  Botaniker  und  Zoologen  (travaux
philosophiques  des  botanistes  et  des  zoologistes),  bei  welchem
das  Spätere  durch  das  Frühere  erklärt  und  die  nachfolgende
Wissenschaft  durch  die  nächst  vorangegangene,  wie  die  höhere
von  der  niederen  gleichsam  getragen  wird.  Jene,  welche  keine
weitere  voraussetzt,  stellt  die  Basis,  jene,  die  durch  alle  übrigen
bedingt  wird,  das  Kapital  der  wissenschaftlichen  Säule  dar,
zwischen  welchen  die  übrigen  Wissenschaften  wie  in  bestimmter
Reihenfolge  aufeinander  getliürmte  Säulentrommeln  ruhen.  Da
nach  dem  Grundsatz  des  ,positiven'  Wissens  dessen  einziger
Gegenstand  ,Erscheinungen‘  sind,  so  liegt  es  nahe,  die  Gliederung ­
  desselben  in  ,positive'  Wissenschaften  nach  der  Verschiedenheit ­
  dieser  letzteren  von  und  neben  einander  zu  vollziehen. ­
  Jo  nachdem  die  Phänomene  organische  oder  unorganische,
letztere  selbst  chemische,  physikalische,  astronomische  oder
,mathematische'  sind,  scheidet  das  positive  Wissen  sich  in  die
Wissenschaft  Vom  Organischen  einer-,  dem  Unorganischen
andererseits,  letztere  wieder  in  Chemie,  Physik,  Astronomie
und  Mathematik.  Die  Wissenschaft  vom  Organischen  (Biologie)
umfasst  alles  Lebendige,  Pflanze,  Thier  und  Mensch,  letzteren
nicht  blos  als  Einzelnen,  sondern  als  geselliges  Ganzes,  als
lebendige  Menschheit,  die  als  solche  ihre  besonderen  Lebensund ­
  Entwicklungsgesetze  besitzt,  welche  das  Object  einer
Wissenschaft  für  sich,  der  Sociologie,  ausmachen.
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