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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Deutsche  Studien.  II.

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Daraus  mag  man  sich  die  einfachen  Töne  Meinlohs  erklären,
wenn  sie  einer  Erklärung  bedürfen.
Die  weitere  Verbreitung  des  Frauendienstes  von  Regensburg ­
  nach  Oberösterreich  bezeugt  uns  Dietmar  von  Aist.  Seine
dichterische  Thätigkeit  erstreckt  sich  auf  einen  längeren  Zeitraum. ­
  Nur  in  seinem  letzten  Liebesverhältnisse  kennt  er  den
dienest  ausdrücklich.  Aber  lange  vorher  sehen  wir  die  männische
Empfindung  bei  ihm  gemildert  und  ganz  nahe  an  die  Vorstellung ­
  des  Dienstes  streift  die  Wendung  vil  gar  ir  eigen  ist  min
lip  (35,  15).
Technisch  stehen  die  ältesten  Lieder  auf  der  Stufe  der
pseudo-kürenbergischen:  aber  Dietmar  wächst  hinein  in  die
Technik  der  überschlagenden  Reime  und  strebt  immer  mehr
nach  Reinheit.  Die  überschlagenden  Reime  sind  früher  nach
Oesterreich  gekommen  als  der  Frauendienst,  und  die  Weichheit ­
  der  Empfindung,  die  das  Verhältniss  der  beiden  Geschlechter ­
  umkehrt,  ist  noch  etwas  älter.  Auch  diese  Umwandlung
aber  vollzieht  sicli  auf  dem  Gebiete  der  Sitte,  und  die  Sitte
ist  der  Mode  unterworfen.  Wenn  also  bei  dem  Burggrafen  von
Regensburg  die  alte  Schroffheit  und  Härte  in  Kraft  steht,  so
wird  Dietmar  um  1180  erst  zu  dichten  begonnen  haben,  und
wir  bekommen  eine  Vorstellung  von  dem  Masse  verschiedener
Geschwindigkeiten,  womit  sich  die  Entwicklung  des  geistigen
Lebens  in  der  Südostecke  Deutschlands  damals  vollzieht:  am
raschesten  verbreitet  sich  neue  Gefühlsweise,  langsamer  poetische
Technik,  noch  langsamer  conventioneile  Lebensformen.  Dazu
stimmt  die  Langsamkeit,  mit  der  ein  anderer  Theil  romanischer
Rittersitte,  das  Turnierwesen,  nach  Oesterreich  dringt.  Dies
alles  natürlich  in  dem  Masse  unsicher,  als  Zufälle  möglich
sind  und  die  Charakterformen  einzelner  Menschen  mitspielen.
Die  Zeit  Dietmars  aber  werden  wir  nun  auf  etwa
1180  —  1190,  die  Verbreitung  des  Frauendienstes  nach  Oesterreich, ­
  die  zwischen  Dietmars  erstes  und  zweites  Büchlein  fällt,
auf  etwa  1185  bestimmen.  Selbstverständlich,  dass  unser  Dichter
nicht  der  1143—1171  urkundlich  nachweisbare  Dietmar  von
Aist  sein  kann.  Bereits  Haupt  hat  auf  die  Rudolf,  Rambert,
Karl  und  Johannes  von  Aist  hingewiesen,  welche  in  einer  der
späteren  Urkunden  Dietmars  Vorkommen:  sie  seien  vielleicht
Dienstmänner  gewesen  und  auch  unser  Dichter  könne  ein  etwas
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