Deutsche Studien. II.
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Daraus mag man sich die einfachen Töne Meinlohs erklären,
wenn sie einer Erklärung bedürfen.
Die weitere Verbreitung des Frauendienstes von Regensburg
nach Oberösterreich bezeugt uns Dietmar von Aist. Seine
dichterische Thätigkeit erstreckt sich auf einen längeren Zeitraum.
Nur in seinem letzten Liebesverhältnisse kennt er den
dienest ausdrücklich. Aber lange vorher sehen wir die männische
Empfindung bei ihm gemildert und ganz nahe an die Vorstellung
des Dienstes streift die Wendung vil gar ir eigen ist min
lip (35, 15).
Technisch stehen die ältesten Lieder auf der Stufe der
pseudo-kürenbergischen: aber Dietmar wächst hinein in die
Technik der überschlagenden Reime und strebt immer mehr
nach Reinheit. Die überschlagenden Reime sind früher nach
Oesterreich gekommen als der Frauendienst, und die Weichheit
der Empfindung, die das Verhältniss der beiden Geschlechter
umkehrt, ist noch etwas älter. Auch diese Umwandlung
aber vollzieht sicli auf dem Gebiete der Sitte, und die Sitte
ist der Mode unterworfen. Wenn also bei dem Burggrafen von
Regensburg die alte Schroffheit und Härte in Kraft steht, so
wird Dietmar um 1180 erst zu dichten begonnen haben, und
wir bekommen eine Vorstellung von dem Masse verschiedener
Geschwindigkeiten, womit sich die Entwicklung des geistigen
Lebens in der Südostecke Deutschlands damals vollzieht: am
raschesten verbreitet sich neue Gefühlsweise, langsamer poetische
Technik, noch langsamer conventioneile Lebensformen. Dazu
stimmt die Langsamkeit, mit der ein anderer Theil romanischer
Rittersitte, das Turnierwesen, nach Oesterreich dringt. Dies
alles natürlich in dem Masse unsicher, als Zufälle möglich
sind und die Charakterformen einzelner Menschen mitspielen.
Die Zeit Dietmars aber werden wir nun auf etwa
1180 — 1190, die Verbreitung des Frauendienstes nach Oesterreich,
die zwischen Dietmars erstes und zweites Büchlein fällt,
auf etwa 1185 bestimmen. Selbstverständlich, dass unser Dichter
nicht der 1143—1171 urkundlich nachweisbare Dietmar von
Aist sein kann. Bereits Haupt hat auf die Rudolf, Rambert,
Karl und Johannes von Aist hingewiesen, welche in einer der
späteren Urkunden Dietmars Vorkommen: sie seien vielleicht
Dienstmänner gewesen und auch unser Dichter könne ein etwas
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