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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Scherer.

Gross  ist  der  Unterschied  der  Zeit  jedenfalls  nicht  zwischen ­
  Meinloh  und  dem  älteren  Burggrafen.  Und  um  1180  etwa
verbreitete  sich  der  Frauendienst  und  die  überschlagenden
Reime  von  Ulm  nach  Regensburg,  aus  Schwaben  nach  Baiern,
die  Donau  hinab.
Schon  früher,  schon  bei  dem  älteren  Friedrich  von  Regensburg, ­
  ist  die  Liebe  durch  merher  bedroht,  und  ebenso  ist  sie
es  in  einer  der  uns  erhaltenen  Strophen  in  der  Kürenberges  wise
(7,  24).  Daneben  in  einer  anderen  noch  nicht  technisch
lügencere  (9,  17).
Ueberhaupt  stehen  die  Kürenbergslieder  ungefähr  auf  gleicher ­
  Stufe  mit  denen  Friedrichs  von  Regensburg,  nur  dass  sie,
weil  vermuthlich  noch  weiter  im  Osten  entstanden,  auch  noch
jünger  sein  können.  Der  Mann  ist  der  Herrscher  in  dem
Liebesverhältniss,  wie  noch  in  der  anonymen,  in  einem  Tone
Dietmars  von  Aist  gedichteten  Strophe  Swer  nieret  die  gewizzen
min  35,  32.  Eben  dieses  Liedchen  erlaubt  uns  daher,  mit  den
Kürenbergsliedern  bis  dicht  an  die  Zeit  Dietmars  heran,  das
heisst  bis  gegen  1180,  ja  noch  weiter  in  den  Anfang  der  achtziger ­
  Jahre  zu  gehen.  Dass  auch  ihre  Form  nicht  widerspricht,
wurde  schon  Zeitschr.  17,  579  f.  bemerkt.
Der  Ritter  Kürenberg,  der  Erfinder  der  Kürenberges  wise,
hat  jedenfalls  früher  gedichtet  als  der  Burggraf  Friedrich,  mithin ­
  früher  als  1175,  da  die  künstlichen  Metren  des  letzteren
die  Nibelungenstrophe  zur  Voraussetzung  haben.  Aber  wahrscheinlich ­
  nicht  viel  früher.  Denn  der  Variationen  der  Nibelungenstrophe ­
  sind  nicht  viele,  wie  schon  Lachmann  zu  den
Nib.  S.  5  hervorhob.  Der  Kürenberger  wird  nur,  wie  die  Burggrafen, ­
  in  seiner  Jugendzeit  ein  paar  Lieder  gesungen  haben,
deren  Melodie  glücklich  einschlug.
Dass  wir  für  das  Lied  über  die  Königin  von  England
ungefähr  auf  die  Zeit  1154—1160  kommen,  wurde  schon  bemerkt. ­
  Die  Waise  ist  darin  noch  wenig  ausgebildet.  Die  alten
Lieder  MF.  37,  4  und  37,  18  werden  dadurch  noch  weiter
und  wohl  in  die  erste  Hälfte  des  XII.  Jahrhunderts  hinaufgerückt. ­

Das  Verhältniss  des  Kürenbergers  und  Regensburgers
zeigt  eine  gewisse  Gemeinsamkeit  der  Kunstübung  in  Baiern
und  Oesterreich,  während  Schwaben  vielleicht  mehr  abseits  stand.
            
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