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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Deutsche  Studien.  II.

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ältere  Heinrich  mit  Hinterlassung  erwachsener  Söhne  starb,
sondern  eher  vor  1160  oder  noch  früher,  kurz  in  seiner  Jugendzeit ­
  entstanden  sein.
Wir  sehen  also  ein  ähnliches  Verhältniss  an  der  Donau
wie  am  Rhein.  Die  Väter  sind  Protectoren  der  Dichtkunst,  an
ihren  Höfen  finden  wir  den  Anonymus,  die  Söhne  üben  selbst
die  Kunst:  so  Friedrich  von  Hausen,  der  Sohn  jenes  Walther;
so  die  beiden  Regensburger,  die  Söhne  jenes  Heinrich  von
Staufen,  den  der  alte  Sänger  rühmte  und  der  noch  andere  Fahrende ­
  wie  Gebehart,  Kerling,  Liupold  um  sich  hatte.  Vielleicht
wurden  die  Spielleute  in  dem  Masse  schlechter  behandelt  als
man  sie  mehr  entbehren  konnte  und  als  die  Kunst  der  Edlen
selbst  sich  hob:  so  würden  die  Klagen  jenes  greisen  Anonymus
sich  wohl  erklären.
Sind  die  vorstehenden  Erwägungen  richtig,  so  erhalten
wir  ein  paar  ziemlich  bestimmte  Daten  für  sehr  wichtige  historische ­
  .Erscheinungen.  Wobei  es  in  Betracht  kommt,  dass  die
poetische  Thätiglceit  der  älteren  Dichter  nachweislich  eine  seinkurze
  ist:  sie  ist  nicht  professionsmässig,  sondern  der  natürliche ­
  Ausfluss  eines  oder  zweier  poetischer,  liebebewegter
.Tugendjahre.
Die  vier  Strophen  Friedrichs,  des  älteren  Regensburgers,
fallen  in  die  Zeit  1176-  118J,  die  sieben  Strophen  des  jüngeren
Heinrich  von  Rietenburg  in  die  Jahre  1181—1184.  •
Zwischen  den  beiden  waltet  nun  auch  der  Unterschied  ob,
dass  Heinrich  die  Kunst  der  überschlagenden  Reime  und  den
dienest  kennt,  wovon  sein  älterer  Bruder  nichts  weiss.  Diese
Anschauung  vom  dienest,  zugleich  mit  einer  erklärten  Neigung
zur  Reflexion  aber  treffen  wir  zuerst  bei  Meinloh  von  Seflingen,
und  bei  diesem  auch  die  ersten,  wie  zufällig  sich  ergebenden,
überschlagenden  Reime.  Sonst  freilich  ist  seine  Metrik  sehr
einfach,  aber  die  einfache  Metrik  stirbt  nicht  aus  von  heute
auf  morgen.
Nach  der  inneren  Chronologie  müssen  wir  Meinloh  für
jünger  als  den  älteren  Regensburger  halten.  Aber  die  provenzalische
  Sitte  des  Frauendienstes  kommt  vom  Westen  nach  Osten,
und  der  westliche  Dichter  kann  jüngere  Anschauungen  vortragen,
während  gleichzeitig  oder  selbst  später  der  östliche  noch  auf
älterem  Standpunkte  beharrt.
Sitzungsber.  d.  phil.-liiet.  CI.  LXXVII.  Bd.  TII.  Hit.

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