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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Deutsche  Studien.  II.  507
das  Wort  minne  vor.  Der  herrschende  Frohsinn  und  die  Art,
wie  62,  4  ff.  die  Geliebte  erwähnt  wird,  zeigt  ein  befriedigtes
Verhältniss.
Gruppe  (IV)  62,  11—63,  27.  Der  Dichter  ist  alt  und  besitzt ­
  nicht  die  Gunst  der  Geliebten.  Er  schiebt  es  zuerst  auf
sein  graues  Haar,  das  die  Weiber  hassen,  und  er  äussert  sich
darüber  nicht  höflich.  Aber  aus  dem  nächsten  Gedichte,  im
Frühlingsanfang  verfasst,  geht  hervor,  dass  er  Schuld  auf  sich
geladen  hat,  und  dass  sie  seine  Busse  nicht  annehmen  will
(63,  14  ff.).  Und  in  63,  20  ff.  macht  er  Versprechungen,
er  will  sich  hüten,  etwas  ihr  unangenehmes  zu  sagen  (daz
ich  ir  iht  spreche  ze  leide).  Er  fürchtet  sie  wie  das  Kind
die  Ruthe.
Gruppe  (V)  63,  28—64,  33.  Der  Dichter  ist  getrennt  von
der  Geliebten  63,  36.  64,  25.  Der  Rhein  fliesst  zwischen  ihnen
(64,  23).  Er  ist  getrost  und  guten  Muthes,  der  Treue  seiner
Dame  sicher.  Sein  Verhältniss  zu  ihr  besteht  schon  läna-ere
O
Zeit,  er  hat  se  ,lange  gelobt'  (63,  29).  Sie  hat  es  verstanden,
die  huote  zu  betrügen  (64,  5).  Der  Dichter  muss  im  Frühling
fort  (64,  25).  Im  Winter  hat  er  gute  Hoffnung  auf  Minne,  er
redet  wie  einer,  der  sicheren  Besitz  nur  wieder  anzutreten  braucht
(64,  30  ff.),  er  befindet  sich  wohl  auf  der  Heimkehr.
Gruppe  (VI)  64,  34  —  66,  8.  60,  21  —  28.  66,  9  -67,  2.
Ein  ganz  anderes  Bild.  Der  Dichter  ist  sehr  unzufrieden:  er
liebt,  wo  seine  Minne  ebenso  wenig  zur  Geltung  kommt  wie
der  Mond  neben  der  Sonne  (65,  2).  Er  hat  sich  gegen  die  hoesen
zu  wenden,  welche  Birnen  auf  den  Buchen  suchen,  d.  h.  wohl
ihn  verdächtigen,  ohne  dass  Grund  zum  Verdachte  vorliegt
(65,  11).  Er  hat  über  solche  zu  klagen,  welche  der  Minne  früher
dienten,  ihr  aber  jetzt  sich  entziehen  (65,  19.  20).  Er  muss
auch  unter  der  huote  leiden,  gegen  die  er  sich  mit  grosser
Schärfe  erklärt  (65,  21  ff.).
Im  Sommer  wendet  sich  der  Dichter  dahin,  wo  sein  Herz
in  Liebe  stets  unterthan  war  (65,  28  ff.).  Er  bittet  die  Schöne,
die  er  besingt,  sie  möge  ihn  das  aussprechen  lassen,  wovon  eiserne ­
  Gedanken  und  Empfindungen  nicht  wenden  könne  (60,  21).
Er  fleht  die  Göttin  Minne  um  Hilfe  bei  der  Geliebten  an  (66,  9).
Er  deutet  auf  ein  früheres  besseres  Verhältniss,  auf  grösseren
Erfolg  sein  es  Gesanges  hin  (66,  30):
            
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