502
Scherer.
Was nun im einzelnen Strophe C 23, MF. 36, 23 anlangt,
so kann sie unmöglich zu dem zweiten, chronologisch geordneten
Liederbuche Dietmars gehören, das mit einer Liebeserklärung
beginnt. Dieser Erklärung kann nicht der Besitz
vorausgehen und die Freude am Besitz wie in der genannten
Strophe. Von dem ersten Liederbuche aber ist sie durch die
zum jungen Spervogel gehörigen Strophen, auf welche sie folgt,
bestimmt ausgeschlossen.
Ueberdies fühlt man sich durch den Inhalt eher an Hausen
erinnert. Mit leides ende 36, 32 vergl. leitvertrip 54, 35. Gott
hat nichts an ihr vergessen wie 44, 22. 31 und besonders 50, 2
wan er vergaz nilit an ir libe. Der Verfasser verweilt auf dem
Lobe der Geliebten mit einer objectiven, enthusiastischen Bewunderung,
wie sie Dietmar nicht eigen ist; ich komme gleich
hierauf zurück. Und das doppelte unde 32. 33 gibt den Eindruck
eines Flusses der Bede, wie er gleichfalls unserem Dichter
nicht nachgesagt werden kann. Den zweisilbigen Auftact (36, 24)
hat er nur, wenn die Silben verscbleifbar sind (39, 3): die
übrigen im MF. zu 154, 21 angeführten Fälle stehen in den
beiden alten, nicht Dietmarischen Liedern 37, 4. 18.
Die zwei Strophen 36, 5 ff. stehen in C am Ende des
echten, BC gemeinschaftlichen Liederbuches und vor dem sicher
unechten Anhang. Schon diese Stellung genügt, sie zu verdächtigen.
Das Gedicht bewegt sich in einem Kreise von Anschauungen,
in welchem Dietmar sonst nicht verweilt. Auch
bestehen seine Gedichte nur je aus einer Strophe, wenn wir
von dem Tageliede absehen, das als episches Lied seine besondere
Stellung hat.
Dass Dietmar einen und denselben Gedanken in allmälicher
Entwicklung in drei hinter einander folgenden Sätzen
mit identischem Subject ausspräche, wie hier im Anfang (diu
werelt... si vert... si wellent. . .), das kommt nicht vor.
Was Dietmar zum Lobe der Geliebten in einzelnen Sätzen
oder durch schmückende Beiwörter vorbringt, das beschränkt
sich auf Folgendes: 32, 3. 10 frouwe scheene. 32, 14 dem schcenen
ivibe (35, 13 ein schcene ivip) 33, 24 frouwe biderbe unde guot.
34, 23 ein rehtiu liebe; 38, 24 der lieben. 38, 33. 39, 12 ein
edeliu frouwe. 34, 34 ir tugende die sint valsches vri. 36, 37 du
gwünne nie unstceten wanc. Man sieht, dass dies alles von der