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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Scherer.

Veldeke;  dazu  auch  Strophen  des  Tones  33,  15  der  sich  von
diesem  nur  durch  den  Mangel  überschlagender  Reime  unterscheidet. ­

Dass  Dietmar  von  Aist  mit  Ausnahme  des  Tageliedes  und
des  ersten  Tones  niemals  ein  Gedicht  mit  unreinem  Reime
schliessen  lässt,  wie  es  hier  geschieht  (liep  :  niet)  mag  ein  Zufall ­
  sein,  obgleich  man  sich  vielleicht  erinnern  darf,  dass  gewisse
Seltsamkeiten  im  Reim  der  Nibelungenstrophe  niemals  in  das
schliessende  zweite  Reimpaar  eindringen.
Aber  ganz  gegen  die  in  Dietmars  Liedern  herrschende
Anschauung  ist  es,  dass  eine  Frau  dem  Manne  dienen  will  35,
33.  Auch  passt  das  Gedicht  schlecht  in  den  Rahmen  des  Liebesverhältnisses, ­
  das  in  den  beiden  andern  Strophen  desselben  Tones
35,  16  und  35,  24  vorausgesetzt  wird.  Vielmehr  scheint  es
durch  35,  24  eingegeben  und  in  theils  verwandter,  tlieils  gegensätzlicher ­
  Stimmung  im  selben  Tone  nachgedichtet:  vergl.  ez
wcere  wol  u.  s.  w.  mit  ez  wcere  mir  ein  grdziu  not  ff.  und  den
Gedanken  35,  25  (auch  35,  28  f.)  mit  36,  4.  Zu  36,  2  ward  er
mir  dm  mdze  liep  vergl.  39,  5  der  ist  mir  une  nutze  körnen  in
minen  stceten  muot.  Und  auch  mit  dem  Gedanken  des  Todes
spielt  Dietmar,  doch  in  anderer  AYeise  (32,  11.  33,  28).  Der
Verfasser  oder  die  Verfasserin  gebraucht  das  bei  Dietmar  nicht
vorkommende  obe.
Die  Veredelung,  Vervollkommnung  durch  Liebe  wird  sonst
von  den  Männern  ausgesagt  (so  bei  Meinloh  und  bei  Dietmar):
hier  behauptet  es  die  Dame  von  sicli  selbst.  Welcher  Art  aber
ist  die  Vervollkommnung?  Was  heisst  gewizzen?  Ich  verweise
auf  das  mhd.  Wb.  und  Loxer 1  und  übersetze  ,Bildung'.
Mätzner  Altfranz.  Lieder  S.  193  hat  Stellen  gesammelt,  worin
,die  Bildung  oder  die  durch  Erziehung  und  Unterricht  gewonnene
Tüchtigkeit  nach  Seiten  der  Intelligenz  und  des  Charakters'  als
hervorstechende  Eigenschaft  der  Frau  gerühmt  wird.  Französisch
heisst  sie  bien  aprise,  es  wird  ihr  hone  doctrine  zugeschrieben,
provenzalisch  ensenlmmen,  italienisch  insegnamento,  conoscianza,
1  Ersteres  bringt  die  Stelle  MS.  1,  185a  (Reinmann  von  Brennenberg)  unter
die  Bedeutung  ,Verstand,  Einsicht  in  das  was  sich  zu  thun  gehört 1 .  Die
Stelle  lautet:  da  mäht  wol  heizen  leitvertrip,  du  rehter  viinnen  bliiete:  der
gewizzen  dir  vil  wol  min  herze  gibt.  Offenbar  ist  der  zu  betonen:  diese
Fälligkeit,  nämlich  das  Leid  zu  vertreiben.
            
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