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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Kant  und  die  positive  Philosophie.

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speculativer  Philosophie  zu  nehmen  sei.  Wie  man  aus  der  Gleichsetzung- ­
  des  Ausdruckes  ,connaissances  absolues £  mit  solchen
Erkenntnissen,  welche  die  ,nature  intime'  der  Erscheinungen,
deren  ,causes  premieres  et  finales'  zum  Gegenstände  haben,
zur  Genüge  gewahrt,  werden  mit  jenem  Namen  alle  Erkenntnisse ­
  belegt,  welche  sich  statt  auf  die  Phänomene  selbst,  auf
die  denselben  zu  Grunde  liegenden  Ursachen,  und  statt  auf
die  thatsächliche  Aehnlichkeit  und  Succession  derselben,  auf
deren  geheimes  Warum  und  Wozu  beziehen.  Die  Vergleichung
mit  Bacon  zeigt,  dass  wir  es  auch  hier  mit  ,Idolen'  zu  thun
haben,  allerdings  solchen,  welche,  so  lange  der  theologisirende
und  metaphysicirende  Zustand  des  menschlichen  Geistes  währt,
unvermeidlich  sind.  Einmal  zum  Positivismus  gelangt,  ist  der
menschliche  Geist  von  jenen  befreit;  er  verzichtet  darauf,  in’s
Innere  der  Erscheinungswelt,  ihre  ersten  Ursachen  und  letzten
Zwecke  einzudringen;  er  hält  sich  an  die  gegebenen  Erscheinungen, ­
  ohne  zu  fragen,  wodurch  und  wozu  sie  gegeben  sind;
er  begnügt  sich,  dieselben  nach  ihrer  Aehnlichkeit  zu  ordnen,
nach  ihrer  beobachteten  Aufeinanderfolge  ihr  künftiges  Eintreten ­
  vorherzusehen,  mit  einem  Worte  statt  ihrer  Ursachen
und  Zwecke  ihre  Gesetze-aufzusuchen.
Dass  diese  letzteren  unveränderlich  seien,  ist  die  nicht
bloss  stillschweigende,  sondern  wie  oben  ausdrücklich  gemachte
Voraussetzung  des  Positivismus.  Was  diesen  Zustand  der  Wissenschaft ­
  von  dem  theologisirenden  durchgreifend  unterscheidet,
ist,  dass  der  erstere  die  Beziehungen  zwischen  den  Phänomenen,
ihre  Succession  und  Verwandtschaft  als  invariables  ansieht,
während  der  andere  dieselben  von  der  willkürlichen  Dazwischenkunft
  (Intervention  arbitraire)  übernatürlicher  Wesen  abhängig
macht.  Der  als  fest  gedachten  Naturordnung  entspricht  eine
ebensolche  Naturwissenschaft;  launenhafte  Unterbrechung  macht
jeden  geregelten  Naturlauf  und  dadurch  jeden  Versuch  der
Berechnung  zukünftiger  Thatsachen  aus  dem  mittelst  der  früheren
erkannten  Naturgesetze  unmöglich.
Es  ist  eine  andere  Frage,  welche  Mittel  dem  Positivismus,
dessen  einzige  Erkenntnissquelle  die  Erfahrung,  dessen  Methode
die  Induction  ist,  zu  Gebote  stehen,  die  UnVeränderlichkeit
der  von  ihm  erkannten  Naturgesetze  zu  erkennen.  Denn
wenn  nur  diejenige  Beziehung  zwischen  Erscheinungen,  welche
            
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