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Sclierer.
Angst, andererseits eine Ahnung- von tiefer, verzehrender Gewalt
allbeherrschenden Gefühls, deren Eindruck alle schildernden
Versuche des mlid. Epos weit übertrifft. Nur Wolfram selbst
hat sich übertroffen mit dem Gegenstück zum Tageliede, mit
dem Bilde der Ehe im Willehalm, worin er eben so grossartig
unbefangen die unverholene Wahrheit der Natur hinstellt: der
arme, gehetzte, schlachtmüde Mann, der im Anno des Weibes
Pflege, Ruhe, Erquickung, Wonne sucht. Ich weiss keinen
Dichter, der etwas Aelmliches gewagt und gewonnen hätte.
Wolfram hat das Wächterlied weder erfunden noch in
Deutschland eingeführt. Und in der Anlage des Tageliedes
überhaupt sehliesst er sich genauer an die fremden Muster als
Andere. Er hat der Gattung alles Conventionolle, Unwirkliche
abgestreift und daher wohl geflissentlich den Wechselgesang
der Liebenden, das Scheideduett verschmäht, wie es z. B.
Dietmar, Morungen, Walther kennen. Und dieses gerade schein
eigentümlich deutsch. Wechselgesang als solcher, besonders
Mann und Mädchen wechselnd, aber nicht speciell in der
Situation des Tageliedes, muss in Deutschland sehr beliebt und
vielleicht altüberliefert gewesen sein. Darauf würde eine erschöpfende
Betrachtung der Frauenstrophen wohl führen.
Wir kehren nun zu Dietmar von Aist zurück.
Es ist mir öfters eingefallen, und ich habe seine Gedichte
darauf hin betrachtet, ob sie vielleicht von verschiedenen Verfassern
herrühren. Auch Wackernagel bemerkt (Altfranzösische
Lieder und Leiche S. 202 n.), das was die Handschriften unter
dem Namen Dietmar zusammenstellen, sei keineswegs alles von
gleichem Alter: ,sie vermengen zwei Dietmare oder sonst verschiedene
Dichter/ Ich glaube nun nicht, dass, abgesehen von
unechten Anhängen oder Einschiebseln, sich eine solche Ansicht
wahrscheinlich machen und die Entstehung- der Liederbücher
nach unserer sonstigen Ivenntniss der Ueberlieferung mhd. Lyriker
begreifen Hesse.
Auch fehlt es bei aller Verschiedenheit des Stils nicht
an durchgehenden Eigenthümlichkeiten.
Die Vermeidung des Hiatus wurde schon erwähnt, ebenso
die Seltsamkeiten der Cäsur im ersten Ton des ersten (I) und
im dritten Ton des zweiten Liederbuches (II). Die Senkung fehlt