Deutsche Studien. II.
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XIII. Jahrhunderts und von Guiraut Riquier, anführt. Aber
es dürfte dann mindestens das Herbeisehnen des Tages nicht
fehlen: das Motiv als solches wird auch sonst Vorkommen.
Wenn man die mehrfach erwähnte Abhandlung von
Bartsch (im Album des litterar. Vereins in Nürnberg 1865)
aufmerksam liest, so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren,
dass die Alba aus den tageliet des Wächters (Lachmanns
Walther S. 202) entsprungen sei. 11er feststehende
Refrain mit der Tagankündigung, in den meisten Gedichten
der Art conventionell, muss doch irgendwo seinen realen Grund
gehabt haben. Wo anders, als in dem Morgengesang des Wächters?.
Herbort überliefert den Ruf wol üf, ritter, über cd! wol
uf! ez ist tac. Mit diesem feststehenden Rufe verband der
Wächter Verkündigung dessen, was sich über Nacht begeben
oder was der Morgen ans Licht bringt. Aus jenem festste]lenden,
diesem veränderlichen Elemente bestand sein Gesang:
wirklicher Gesang, wie ich nicht bezweifle, nach Art der jetzt
freilich aussterbenden Lieder des Nachtwächters. Dem Weckrufe
gesellte sich das Signal eines Blasinstrumentes. Dies
Alles ergibt sich aus dun von Lachmann angeführten Stellen
und war ohne Zweifel allgemeine mittelalterliche Sitte.
An solche Wächterlieder knüpft die uneigentliche provenzalische
Alba wieder an, worin der wachende Dichter dem
Tag entgegensingt.
Aber es war auch wohl üblich, mit jenem Gesänge ein
Mor gengebet, einen Morgensegen in Verbindung zu bringen
nach Art vieler kirchlicher Hymnen. Unter den 26, welche
Jakob Grimm herausgegeben, befinden sich nicht weniger als
sieben, welche, bestimmt des Morgens gesungen zu werden,
auch den Morgen ausdrücklich erwähnen oder sogar schildern:
2 Deus qui codi lumm es; 3 Splenclor paternae gloriae;
4 Aeterne lucis conditor; 5 Fulgentis nuctor aetheris; 8 Diei
luce reddita; 19 Aurora lucis rutilat; 25 Aeterne rerum conditor.
In dem zuletzt erwähnten heisst es:
Praeco diei iam sonat
noctis profundae pervigil
nocturna lux viantibus
a nocte noctem segregans.