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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Deutsche  Studien.  II.

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XIII.  Jahrhunderts  und  von  Guiraut  Riquier,  anführt.  Aber
es  dürfte  dann  mindestens  das  Herbeisehnen  des  Tages  nicht
fehlen:  das  Motiv  als  solches  wird  auch  sonst  Vorkommen.
Wenn  man  die  mehrfach  erwähnte  Abhandlung  von
Bartsch  (im  Album  des  litterar.  Vereins  in  Nürnberg  1865)
aufmerksam  liest,  so  kann  man  sich  des  Eindrucks  nicht  erwehren, ­
  dass  die  Alba  aus  den  tageliet  des  Wächters  (Lachmanns ­
  Walther  S.  202)  entsprungen  sei.  11er  feststehende
Refrain  mit  der  Tagankündigung,  in  den  meisten  Gedichten
der  Art  conventionell,  muss  doch  irgendwo  seinen  realen  Grund
gehabt  haben.  Wo  anders,  als  in  dem  Morgengesang  des  Wächters?. ­
  Herbort  überliefert  den  Ruf  wol  üf,  ritter,  über  cd!  wol
uf!  ez  ist  tac.  Mit  diesem  feststehenden  Rufe  verband  der
Wächter  Verkündigung  dessen,  was  sich  über  Nacht  begeben
oder  was  der  Morgen  ans  Licht  bringt.  Aus  jenem  festste]lenden,
  diesem  veränderlichen  Elemente  bestand  sein  Gesang:
wirklicher  Gesang,  wie  ich  nicht  bezweifle,  nach  Art  der  jetzt
freilich  aussterbenden  Lieder  des  Nachtwächters.  Dem  Weckrufe ­
  gesellte  sich  das  Signal  eines  Blasinstrumentes.  Dies
Alles  ergibt  sich  aus  dun  von  Lachmann  angeführten  Stellen
und  war  ohne  Zweifel  allgemeine  mittelalterliche  Sitte.
An  solche  Wächterlieder  knüpft  die  uneigentliche  provenzalische
  Alba  wieder  an,  worin  der  wachende  Dichter  dem
Tag  entgegensingt.
Aber  es  war  auch  wohl  üblich,  mit  jenem  Gesänge  ein
Mor  gengebet,  einen  Morgensegen  in  Verbindung  zu  bringen
nach  Art  vieler  kirchlicher  Hymnen.  Unter  den  26,  welche
Jakob  Grimm  herausgegeben,  befinden  sich  nicht  weniger  als
sieben,  welche,  bestimmt  des  Morgens  gesungen  zu  werden,
auch  den  Morgen  ausdrücklich  erwähnen  oder  sogar  schildern:
2  Deus  qui  codi  lumm  es;  3  Splenclor  paternae  gloriae;
4  Aeterne  lucis  conditor;  5  Fulgentis  nuctor  aetheris;  8  Diei
luce  reddita;  19  Aurora  lucis  rutilat;  25  Aeterne  rerum  conditor.
In  dem  zuletzt  erwähnten  heisst  es:
Praeco  diei  iam  sonat
noctis  profundae  pervigil
nocturna  lux  viantibus
a  nocte  noctem  segregans.
            
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