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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Scherer.

Tag  nicht  sähe.  Daun  fordert  sie  den  Ritter  auf  zum  Küssen
auf  der  Wiese  beim  Gesang  der  Vögel  (und  das  geschieht,
muss  man  annehmen).  Hierauf  verlangt  sie:  Beginnen  wir  ein
neues  Spiel  im  Garten,  wo  die  Vögel  singen,  bis  der  Wächter
seine  Pfeife  bläst.  Und  hiermit  sind  wir  erst  bei  der  Situation
vom  Anfang  des  Liedes,  aber  wir  müssen  uns  denken,  dass
nun  wirklich  das  Signal  ertönt  und  der  Ritter  Abschied  nimmt,
denn  in  der  nächsten  Strophe  spricht  sie  schon  von  seinem
Athem,  den  sanfte  Luft  ihr  zugetragen  hat.  Es  folgt  in  der
letzten  Strophe  ein  Loh  der  Dame,  welches  der  Dichter  ausspricht. ­

Audi  das  Liebespaar  der  deutschen  Alba  ruht  wohl  im
Freien  unter  der  Linde  und  das  Vöglein  ist  dabei  wie  in
Walthers  bekanntem  Liede.  Auch  hier  wird  der  Weckruf  (ohne
Zweifel  des  Wächters)  gefürchtet.  Und  auch  hier  muss  man
den  Abschied  ergänzen,  der  Ritter  sagt  nur,  er  wolle  ihr  Gebot
befolgen  (vergl.  Walther  89,  32  gebiut  mir,  Id  mich  varn).
Aber  die  erste  Strophe  kehrt  noch  genauer  wieder  in  der
Alba  des  Guiraut  von  Bornelh  (Bartsch  Lesebuch  S.  100):
Bel  companho,  en  chantan  vos  apel,
non  dormatz  plus,  qu’ieu  aug  cliantar  l'auzel,
que  vai  queren  lo  jorn  per  lo  boscatge  —
Paul  Heyse  übersetzt  (Spanisches  Liederbuch  S.  275,
vergl.  Diez  Leben  der  Troub.  S.  141):
Mein  süsser  Freund,  die  Warnestimme  singt:
Schlaft  fürder  nicht!  Das  Lied  der  Vögel  klingt,
Die  lichtgewärtig  durch  die  Büsche  streichen.
Es  ist  gewiss  nicht  richtig,  wenn  Bartsch  (Tagelieder
S.  18)  mit  Bezug  auf  Dietmars  Tagelied  bemerkt:  ,Vielleicht
will  der  Dichter  nur  das  Vöglein,  das  auf  der  Linde  singt,  als
Wächter  und  Wecker  bezeichnen/  Ganz  deutlich  wird  geschieden ­
  zwischen  dem  Weckruf,  den  man  erwartet,  und  dem
Gesang  des  Vogels,  auf  den  sich  diese  Erwartung  gründet.
Ob  als  der  Weckende  der  Wächter  oder  ein  Freund
gedacht  wird,,  das  können  wir  nicht  wissen.  Das  Letztere,
wie  bei  Guiraut  von  Bornelh,  ist  in  einem  nur  fragmentarisch
            
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