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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Scherer.

dringend  verdächtig,  und  natürlich  war  es  wieder  der  ungenaue
Reim,  der  hinweggeschafft  werden  sollte  und  C  zu  solchen  Unmöglichkeiten ­
  verführte.  Aber  her  :  dar  geht  bei  Dietmar
nicht,  der  nur  consonantisch  ungenauen  Reim  zulässt.  Auch
würde  sich  C  dann  einfach  durch  die  Schreibung  har  :  dar
geholfen  haben.  Was  mir  sonst  einfällt,  her  :  enwec,  erfüllt  die
Bedingung  im  Allgemeinen;  es  ist  ein  ungenauer  Reim  derselben ­
  Kategorie,  aber  doch  von  härterer  Art,  als  sie  sonst
bei  Dietmar  begegnen.  Vielleicht  wider  raren  :  dare?  Oder
icider  varen:  dane  (varn:  dan)  ?
Wenn  das  Gedicht  von  Dietmar  ist,  so  muss  es  aus
seiner  frühesten  Zeit  stammen,  welcher  auch  allein  der  Reim
friedel  :  ziere  gemäss  ist  und  die  Bezeichnung  der  Dame  als
friwendin  wie  im  zweiten  Tone  32,  13  und  der  ganze  alterthümliche
  conjunctionslose  Stil.  Die  Formel  des  Abschiedes
Z.  25  erinnert  zwar  an  Meinloh  15,  15  ff.,  aber  sie  muss  doch
nicht  nothwendig  auf  der  Sitte  des  Frauendienstes  beruhen
und  diesen  voraussetzen.  Der  Dichter  hätte  also  eine  eigene
ältere  Romanze  hier  eingefügt,  um  anzudeuten,  dass  ihm  Liebesgenuss
  zu  Theil  geworden.
Und  dies  ist  wohl  die  wahrscheinlichste  Vermuthung.
Weder  lassen  sich  die  reinen  Reime  halten,  die  hier  im  zweiten ­
  Liederhuche  nothwendig  wären,  noch  scheint  es  denkbar,
dass  der  Dichter  ein  fremdes  Product,  selbst  wenn  es  ein  bekanntes ­
  Volkslied  war,  unter  die  seinigon  aufgenommen  hätte.
Vortrefflich  stimmt  dazu  das  Metrum.  Es  ist  in  keiner
Weise  volksthümlich,  gerade  das  Unvolksthümliche  darin  aber
findet  sich  bei  Dietmar  wieder,  und  zwar  in  den  erkennbar
ältesten  Gedichten,  die  wir  sonst  von  ihm  besitzen.
Die  beiden  ersten  Zeilen  sind  die  des  zweiten  Tones
ohne  Waisen,  3  :  4  Hebungen  klingend.  Und  in  Z.  3.  4
wiederholt  sich  das  Längenverhältniss,  nur  mit  stumpfem
Reime,  4  :  5  Hebungen  stumpf,  wie  sich  im  zweiten  Ton  das
zweite  Reimpaar  zum  dritten  verhält.
Obgleich  dies  also  leicht  Dietmars  frühestes  Gedicht  sein
mag,  so  haben  wir  —  so  viel  ich  sehe  —  doch  keinen  genügenden ­
  Anhaltspunkt,  um  das  Tagelied  für  eine  einheimische
Gattung  zu  halten.  Dietmar  gebraucht  33,  35  in  seinem  dritten
Zweitältesten)  Tone  den  Begriff  hövesch.  In  demselben  Ge-
            
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