Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

484

Sclierer.

bildung  auf  eine  solche  Annahme  führte  und  die  Binnenreime
zur  Bestätigung-  dienten)  die  Stelle  der  Cäsur  um  eine  Silbe
verschoben  werden  kann,  so  dass  die  Waise  zwischen  drei
Hebungen  klingend  und  vier  Hebungen  stumpf  schwankt.
Dieses  Letztere  ist  mehrfach  das  Natürlichere,  und  es  ergäbe
sich  etwa  das  Gesetz:  entweder  Z.  1.  2  mit  vier  Hebungen
stumpf  und  dann  Z.  5  mit  drei  Hebungen  klingend  (so  38,  32  ff.
39,  4  ff.),  oder  umgekehrt  Z.  1.  2  mit  drei  Hebungen  klingend
und  dann  Z.  5  mit  vier  Hebungen  stumpf  (so  39,  11  ff.)
Der  erste  Ton  des  zweiten  Liederbuches,  nur  aus
einem  Gedichte  bestehend  (36,  34  ff.),  ist  die  Liebeserklärung
des  Dichters  und  die  Bitte  um  gendde:  in  directer  Anrede  an
die  Dame,  wie  in  Meinlohs  erstem  Gedichte.  Das  muss  im
Sommer  sein  und  die  Dame  muss  den  Dienst  angenommen
haben,  denn  im  Sommer  hat  ihr  der  Dichter  gedient  nach  38,  2.
Der  nächste  Ton  gehört  in  den  darauffolgenden  Winter,
mit  der  Ankündigung  der  veränderten  Jahreszeit  beginnt  die
erste  Strophe  37,  30.  Der  Dichter  ist  ihr  noch  treu  und  will
es  bleiben.  Auch  die  Frau  ist  froh,  dass  sie  sein  Dienstversprechen ­
  (Sicherheit  38,  10,  wie  des  Besiegten)  angenommen
hat  und  will  ihm  ihrerseits  ihre  Treue  bewahren  38,  5  ff.  Aber
der  Dichter  will  mehr.  Sein  langes  Warten  thut  ihm  weh,  er
fleht  durch  einen  Boten  um  die  Erfüllung  seiner  kühneren
Wünsche  38,  14  ff.  Und  im  Selbstgespräch  hofft  er,  Gott  werde
sie  ihm  günstig  stimmen,  alle  Freude  an  Frauen  ist  ihm  verdorben, ­
  wenn  die  eine  nicht  bei  Zeiten  Gnade  übt,  die  sich
an  ihm  versündigt,  obgleich  er  ihr  viel  gedient.
Der  Anfang  des  letzten  Gedichtes  Der  cd  die  werlt  geschaffen ­
  hat,  der  gebe  der  lieben  noch  die  sinne  —  hat  dem
anonymen  Dichter  in  des  Regensburgers  erstem  Tone  (oben
§.  4)  vorgeschwebt.
Im  dritten  Tone  38,  32  ff.  hat  Dietmar  entschiedene
Fortschritte  gemacht,  von  denen  man  nicht  recht  sieht,  worin
sie  bestehen.  Er  ist  ihr  unterthan  geworden,  wie  das  Schiff
dem  Steuermann,  wenn  die  Woge  sich  gelegt  hat  38,  32  ff-Die
  Dame  erklärt,  dass  sie  ihn  ohne  Mass  liebe  und  sich  an
die  ganze  Welt  nicht  kehren  wolle;  sie  scheint  entschlossen,
ihm  ihre  volle  Gunst  zu  gewähren  39,  4  ff.  Aber  neue
Zögerung,  neue  Unzufriedenheit  des  Dichters  39,  11  ff,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.