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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Scli  er  er.

Die  dritte  deutsche  Zeile  findet  sich  genau  wieder,  nur
dass  das  letzte  Melodiestück  anderen  Rhythmus  bekommen
hat:  wän  diu  liüote,  dagegen  ad  gaudia  (nicht  äd  gaudia).
Aehnliches  auch  sonst,  z.  B.  Carm.  Bur.  Nr.  166  süeze  frouwe,
gnade,  dagegen  dmnia  süperat  (nicht  ömnid  superat).
Auch  in  dem  ersten  Tone  Dietmars  ist  der  Rest  einer
Erinnerung  an  das  Schema  der  Spervogelweise  nicht  zu  verkennen, ­
  wenn  man  z.  B.  von  der  dritten  Strophe  32,  9  ausgeht: ­
  aabbcc,  wobei  a  und  b  stumpf,  c  klingend;  die  Zeilen
des  ersten  Reimpaares  unter  einander  gleich  und  ebenso  die
des  zweiten,  aa  stark  verlängert  wie  im  ersten  Spervogelton,
bb  viermal  gehoben;  von  dem  klingenden  Schlussreimpaar  cc
die  erste  Zeile  sehr  kurz,  um  eine  Hebung  kürzer  als  beim
Anonymus-Spervogel,  die  zweite  Zeile  sehr  lang,  um  eine
Hebung  länger  als  bei  dem  Anonymus.  Es  ist  aber  zu  beachten, ­
  dass  jedenfalls  32,  3.  7  Verse  von  vier  Hebungen  klingend ­
  ergeben  und  dass  solche  auch  mehrfach  herauskommen,
wenn  wir  die  Cäsuren  in  den  je  ersten  Reimpaaren  annehmen.
In  allen  drei  Strophen  dieses  Tones  hat  den  Dichter  der
Gedanke  frappirt,  dass  man  Liebe  als  eine  Krankheit  auffassen
könne,  wogegen  es  eine  Arznei  geben  müsse.
32,  1.  ,Was  hilft  gegen  die  Sehnsucht,  die  ein  Weib
nach  ihrem  Geliebten  hat?'  so  sprach  eine  schöne  Frau.  ,Ich
wollte  die  Arznei  schon  kennen  lernen,  wäre  ich  nicht  unter
Aufsicht.  Aber  immer  muss  ich  daran  denken.'
32,  5.  Ich  lese  der  beste  frouwen  trost  und  lege  die  erste
Zeile  dem  Manne,  die  zweite  der  Dame  in  den  Mund.  Die
Schlussreflexion  kann  dem  Dichter  selbst  gehören.  —  ,Man
sagt,  grosse  Beständigkeit  sei  der  beste  Trost  der  Frauen.
,Das  kann  ich  nicht  glauben,  sonst  hätte  ich  ihn  erfahren.'  So
redeten  zwei  Liebende  beim  Scheiden.  Ach  Minne,  wenn  man
dich  los  werden  könnte,  das  wäre  das  Gescheiteste.
32,  9.  Der  Dichter  kann  nicht  schlafen,  das  kommt  von
einer  schönen  Frau,  der  er  gern  gefiele,  auf  der  seine  ganze
Freude  steht.  Wie  soll  dem  abgeholfen  werden?  Er  meint  zu
sterben.  ,Warum  hat  sie  Gott  mir  armen  Mann  zur  Qual  erschaffen?' ­

Man  kann  sich  kaum  denken,  dass  alle  drei  Situationen
erlebt  seien,  wenigstens  gewiss  nicht  in  einem  Verhältnisse,
            
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