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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Deutsche  Studien.  II.

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Die  vier  Strophen  des  Regensburgers  sollen  wie  gesagt
alle  das  Liebesverhältniss,  dem  sie  entsprangen,  nach  aussen
vertreten.  Drei  davon  sind  der  Dame  in  den  Mund  gelegt.
Besondere  Zartheit  oder  Gefühlsweichheit  tritt  nirgends  hervor.
Auch  kein  Fortschritt  in  der  Situation  der  Gedichte.  Sie
könnten  sich  alle  auf  einen  Moment  beziehen.  Nur  insofern
ist  die  Ordnung  von  C  planvoll,  als  der  Anfang  gemacht  wird
mit  der  simplen  Erklärung  der  Frau,  dass  sie  dem  Ritter  unterthan
  sei,  und  dann  später  die  Vertheidigung  dieses  so  declarirten
  Verhältnisses  sich  anscbliesst,  die  Abweisung  aller  Störung, ­
  aller  Versuche,  die  Liebenden  zu  trennen.
Die  Betonung  der  Treue  {stcete  16,  1.  16,  10)  und  des
Glückes  im  Genüsse;  die  technische  Bezeichnung  hohe  tragen
den  muot  für  Liebesglück  des  Mannes,  die  Ansicht,  dass  hohe
Vollkommenheit  (tugent)  den  Mann  (er  ist  ritter  16,  2.  24)
der  Welt  angenehm  mache  und  der  Satz,  dass  ihm  hieraus  Anspruch ­
  auf  Glück  erwachse;  die  Auffassung  der  weiblichen
Gunst  als  einer  Arznei,  wodurch  eine  Herzenswunde  geheilt
werde,  —  aber  noch  keineswegs  eine  Wunde,  welche  Liebestrauer
  schlägt,  sondern  der  Zorn  über  die  ,Merker':  selbst  der
Liebeskummer  der  Frau  (17,  4  senede)  entspringt  nur  aus  der
Entbehrung  des  Genusses  oder  aus  der  Furcht  ihn  entbehren
zu  müssen:  —  all  dies  sind  weitere  charakteristische  Züge,
welche  das  Bild  des  Regensburgers  und  seiner  Gedichte  vervollständigen. ­

Merkwürdig  erinnert  die  zweite  Strophe  an  Moinlohs
zehnte.  Es  ist  derselbe  Gedankengang  mit  der  analogen  Schlusswendung: ­
  und  leegen  si  vor  leide  tot  wie  dort  stcechens  üz
ir  ougen.
Von  den  Tönen  ist  der  erste  höchst  einfach,  die  vierzeilige ­
  Reimstrophe  durch  stumpfe  (doch  gibt  die  Ueberlieferung
16,  1  stcete  statt  Lachmanns  stcetehe.it)  viermal  gehobene
Waisen  vor  der  ersten,  zweiten,  vierten  Zeile  erweitert.  Der
durchweg  iambiscbe  Gang  ist  wohl  Zufall?  Ein  ungenannter
genau  reimender  Dichter  (tach:  ungemach  war  ohne  Zweifel
seiner  Mundart  gemäss)  hat  diesen  Ton  benutzt,  Carm.  Bur.

Laclimanns  wirdet'  niemer  nie  bietet  sich  von  selbst;  und  auch  wirdet
niemer  wäre  immer  noch  leichter  als  die  Fälle  beim  Rietenburger.
            
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