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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Deutsche  Studien.  II.

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Jener  ist  ganz  thatsächlich,  dieser  spinnt  Gedanken  aus.
In  der  Syntax  des  Regensburgers  leiten  Pronomina  die  Rede
fort,  Personalia  und  Demonstrativ-Relativa;  ausserdem  temporale ­
  Bezeichnungen  wie  für  daz  16,  17;  swenne  16,  4.  17,  1
(letzteres  allerdings  nicht  mehr  rein  temporal);  nu  16,  23  (auch
nicht  rein  temporal).  Die  verbindende  Conjunction  fehlt  ganz:
und  16,  12  ist  keine.
Dagegen  sind  des  Rietenburgers  Gedichte  voll  Wenn  und
Aber,  voll  Motivirung,  Gegensatz  und  Folgerung:  ob  18,  3.  4.
19,  2;  sit  18,  11.  14.  19,  7.  17.27;  wem  18,  15;  doch  18,  20;
noch  19,  12;  so  19,  9.  19.  30.  Das  verbindende  unde  ist  ihm
unentbehrlich,  wenigstens  vom  dritten  Liede  an:  18,  18.  23.
28.  19,  21.  23.  29.  36.  Die  motivirende  Redeweise  wird  ihm
vollständig  zur  Manier,  die  drei  letzten  Gedichte  (V—VII)
fangen  sämmtlich  mit  sit  an.  Und  ein  Schema  des  Anfangs
stellt  sich  fest,  etwa  so:  Vordersatz  mit  sit,  hierauf  ein  Satz
von  mehr  oder  weniger  parenthetischem  Charakter,  dann  Nachsatz ­
  mit  so.  Im  letzten  Gedichte  dies  noch  etwas  erweitert,  im
vierten  schon  vorbereitet:  da  ist  wenigstens  der  parenthetische
Satz  bereits  vorhanden  18,  26.  Zu  dem  daz  als  Einleitung  des
Aussagesatzes  (Regensburg  17,  2;  Rietenburg  18,  5.  19,  3)  tritt
hier  das  gewähltere  wie  mit  dem  Conjunctiv  18,  27.
Das  Vergleichen  der  Geliebten  mit  Anderen,  so  dass  sie
vorgezogen  und  über  Alle  erhoben  wird,  kommt  dem  Regensburger ­
  gar  nicht  in  den  Sinn:  beim  Rietenburger  gleich  zu
Anfang  18,  5  (I).  Aber  verglichen  wird  bei  ihm  noch  mehr:
jetzt  und  früher  II.  18,  10.  UI.  18,  19.  Hypothetisch  IV.  19,
3.  5  e-S.  Die  andern  fröhlich,  er  traurig  V.  19,  7  ff.  (also  19,  10).
Bildliche  Vergleichung  mit  dem  Golde  im  Feuer  und  Vergleichung ­
  des  späteren  Zustandes  dieses  Goldes  mit  dem  früheren
VI.  19,  22.  25  f.  Und  wieder  am  Schluss  hypothetisch  senfterdanne
  VII.  19,  34  ff.  Die  Methode  der  Comparation,  bald  so,
bald  so  gewendet,  geht  mithin  durch  alle  seine  Gedichte.
Geistreiches  und  Gelehrtes,  wie  Folgerungen  aus  der  bekannten ­
  Natur  der  Liebe  (18,  25  ff.),  Anwendung  biblischer
Gedanken  (19,  17  ff.),  Schönheit  und  Güte  dargestellt  als  wegzuräumende ­
  Hindernisse  des  Scheidens  (19,  27  ff.)  u.  dgh,  auch
Wort-  und  Reimkünste  wie  18,  14  frb—fröuden  rieh:  fröuwen
mich,  sind  dem  älteren  Dichter  noch  durchaus  fremd,  dessen
Sitzungsber.  d.  phil.-ldst.  CI.  LXXVII.  Bd.  III.  Hft.  30
            
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