Deutsche Studien. II.
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Jener ist ganz thatsächlich, dieser spinnt Gedanken aus.
In der Syntax des Regensburgers leiten Pronomina die Rede
fort, Personalia und Demonstrativ-Relativa; ausserdem temporale
Bezeichnungen wie für daz 16, 17; swenne 16, 4. 17, 1
(letzteres allerdings nicht mehr rein temporal); nu 16, 23 (auch
nicht rein temporal). Die verbindende Conjunction fehlt ganz:
und 16, 12 ist keine.
Dagegen sind des Rietenburgers Gedichte voll Wenn und
Aber, voll Motivirung, Gegensatz und Folgerung: ob 18, 3. 4.
19, 2; sit 18, 11. 14. 19, 7. 17.27; wem 18, 15; doch 18, 20;
noch 19, 12; so 19, 9. 19. 30. Das verbindende unde ist ihm
unentbehrlich, wenigstens vom dritten Liede an: 18, 18. 23.
28. 19, 21. 23. 29. 36. Die motivirende Redeweise wird ihm
vollständig zur Manier, die drei letzten Gedichte (V—VII)
fangen sämmtlich mit sit an. Und ein Schema des Anfangs
stellt sich fest, etwa so: Vordersatz mit sit, hierauf ein Satz
von mehr oder weniger parenthetischem Charakter, dann Nachsatz
mit so. Im letzten Gedichte dies noch etwas erweitert, im
vierten schon vorbereitet: da ist wenigstens der parenthetische
Satz bereits vorhanden 18, 26. Zu dem daz als Einleitung des
Aussagesatzes (Regensburg 17, 2; Rietenburg 18, 5. 19, 3) tritt
hier das gewähltere wie mit dem Conjunctiv 18, 27.
Das Vergleichen der Geliebten mit Anderen, so dass sie
vorgezogen und über Alle erhoben wird, kommt dem Regensburger
gar nicht in den Sinn: beim Rietenburger gleich zu
Anfang 18, 5 (I). Aber verglichen wird bei ihm noch mehr:
jetzt und früher II. 18, 10. UI. 18, 19. Hypothetisch IV. 19,
3. 5 e-S. Die andern fröhlich, er traurig V. 19, 7 ff. (also 19, 10).
Bildliche Vergleichung mit dem Golde im Feuer und Vergleichung
des späteren Zustandes dieses Goldes mit dem früheren
VI. 19, 22. 25 f. Und wieder am Schluss hypothetisch senfterdanne
VII. 19, 34 ff. Die Methode der Comparation, bald so,
bald so gewendet, geht mithin durch alle seine Gedichte.
Geistreiches und Gelehrtes, wie Folgerungen aus der bekannten
Natur der Liebe (18, 25 ff.), Anwendung biblischer
Gedanken (19, 17 ff.), Schönheit und Güte dargestellt als wegzuräumende
Hindernisse des Scheidens (19, 27 ff.) u. dgh, auch
Wort- und Reimkünste wie 18, 14 frb—fröuden rieh: fröuwen
mich, sind dem älteren Dichter noch durchaus fremd, dessen
Sitzungsber. d. phil.-ldst. CI. LXXVII. Bd. III. Hft. 30