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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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S  clier  er.

fleckens  nahe  an  die  Donau  drängen,  werden  die  Trümmer
der  Burg  Stauf  sichtbar.  Der  Blick  von  oben  trägt  weit  hin
die  Donau  hinab  längs  der  Vorberge  des  baierischen  Waldes.
Hier  sassen  im  zwölften  Jahrhundert  die  Minnesänger,  welche
uns  zunächst  beschäftigen  sollen.
Ich  halte  den  Burggrafen  von  Regensburg  und  den  von
Rietenburg  getrennt,  wie  sie  uns  in  den  Handschriften  entgegen ­
  treten.
Die  Ueberlieferung  (AC)  stellt  den  Regensburger  unter
die  volksthümlichen  Dichter  oder  Spielleute,  wie  Friedrich  den
Knecht,  Hugo  von  Mülndorf,  Niuniu;  den  Rietenburger  hatte
die  Q.uelle  von  BC  zwischen  Friedrich  von  Hausen  und  Meinloh ­
  von  Seflingen.
Bei  jenem  ist  keine  Spur  davon,  dass  der  Mann  in  ein
Dienstverhältniss  zu  der  verehrten  Dame  träte:  im  Gegentheil,
diese  bekennt  sich  dem  Manne  unterthan  (MF.  16,  2).  Beim
Rietenburger  liegt  die  Anschauung  des  Dienstes  ganz  unzweifelhaft ­
  vor:  18,  12  sit  ich  liän  von  rehter  schulde  also  iooI  gedient
ir  hulde;  18,  23  und  hiut  ir  stceten  dienest  min;  19,  35  danne
deicii  ir  diene  ml.
Jener  hat  demgemäss  keinen  Kummer  als  die  Aufpasser
(rnerheere  16,  19),  die  ihn  stören;  dieser  hat  das  conventioneile
Trauern,  die  conventionelle  Hoffnung,  das  conventionelle  Werben
um  die  Gunst  der  Geliebten.  Dort  ist  das  Verhältniss  zwischen
Frau  und  Mann  im  wesentlichen  wie  in  den  Kürnbergsliedern;
hier  steht  es  unter  dem  Einflüsse  provenzalischer  Sitte.
Dort  spielt  die  Natur  herein  zur  thatsächlichen  Bezeichnung ­
  der  Jahreszeit,  zur  Bestimmung  der  Situation  (16,  15),
oder  wenigstens  geht  Liebesfreude  und  Naturfreude  Hand  in
Hand:  hier  (18,  17.  19,  7)  wird  die  Natur  mehr  formelhaft  in
elegischer  Weise  verwendet  zu  den  üblichen  Contrasten  mit
den  Erlebnissen  des  Herzens.
Dort  hat  die  Liebe  noch  einen  sinnlichen  Charakter,  und
ungescheut  tritt  er  hervor,  ohne  Umschreibung  wird  von  umfangen ­
  halten  (16,  4),  heimlich  im  Arm  liegen  (17,  2  f.),  Trost
fürs  Alleinliegen  (16,  15  f.)  geredet.  Hier  ist  alles  züchtig  verhüllt,
der  Dichter  wagt  seine  Wünsche  nicht  geradezu  auszusprechen,
wenn  er  es  thäte,  wäre  er  dorpelich  und  nicht  liovesch,  wie
Heinrich  von  Veldeke  57,  6.  31.  34.
            
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