462
S clier er.
fleckens nahe an die Donau drängen, werden die Trümmer
der Burg Stauf sichtbar. Der Blick von oben trägt weit hin
die Donau hinab längs der Vorberge des baierischen Waldes.
Hier sassen im zwölften Jahrhundert die Minnesänger, welche
uns zunächst beschäftigen sollen.
Ich halte den Burggrafen von Regensburg und den von
Rietenburg getrennt, wie sie uns in den Handschriften entgegen
treten.
Die Ueberlieferung (AC) stellt den Regensburger unter
die volksthümlichen Dichter oder Spielleute, wie Friedrich den
Knecht, Hugo von Mülndorf, Niuniu; den Rietenburger hatte
die Q.uelle von BC zwischen Friedrich von Hausen und Meinloh
von Seflingen.
Bei jenem ist keine Spur davon, dass der Mann in ein
Dienstverhältniss zu der verehrten Dame träte: im Gegentheil,
diese bekennt sich dem Manne unterthan (MF. 16, 2). Beim
Rietenburger liegt die Anschauung des Dienstes ganz unzweifelhaft
vor: 18, 12 sit ich liän von rehter schulde also iooI gedient
ir hulde; 18, 23 und hiut ir stceten dienest min; 19, 35 danne
deicii ir diene ml.
Jener hat demgemäss keinen Kummer als die Aufpasser
(rnerheere 16, 19), die ihn stören; dieser hat das conventioneile
Trauern, die conventionelle Hoffnung, das conventionelle Werben
um die Gunst der Geliebten. Dort ist das Verhältniss zwischen
Frau und Mann im wesentlichen wie in den Kürnbergsliedern;
hier steht es unter dem Einflüsse provenzalischer Sitte.
Dort spielt die Natur herein zur thatsächlichen Bezeichnung
der Jahreszeit, zur Bestimmung der Situation (16, 15),
oder wenigstens geht Liebesfreude und Naturfreude Hand in
Hand: hier (18, 17. 19, 7) wird die Natur mehr formelhaft in
elegischer Weise verwendet zu den üblichen Contrasten mit
den Erlebnissen des Herzens.
Dort hat die Liebe noch einen sinnlichen Charakter, und
ungescheut tritt er hervor, ohne Umschreibung wird von umfangen
halten (16, 4), heimlich im Arm liegen (17, 2 f.), Trost
fürs Alleinliegen (16, 15 f.) geredet. Hier ist alles züchtig verhüllt,
der Dichter wagt seine Wünsche nicht geradezu auszusprechen,
wenn er es thäte, wäre er dorpelich und nicht liovesch, wie
Heinrich von Veldeke 57, 6. 31. 34.