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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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Scherer.

ist  eng’  und  klein  und  man  hat  sie  eben  erst  betreten,  ihr
innerer  Reichthum  ist  noch  unerschlossen,  die  Fülle  synonymer
Bezeichnungen  für  ein  Gefühl,  für  eine  Situation  ist  noch  nicht
entdeckt.  Sie  mag  schon  vorhanden  sein  und  bereit  liegen,
aber  das  Gold  ist  noch  ungemünzt,  der  Einzelne  kann  es  nicht
mit  Leichtigkeit  ausgeben,  auch  wenn  er  es  hat.
Oft  kehrt  in  demselben  Gedichte  dasselbe  Wort,  derselbe
Gedanke  wieder:  I.  11,  5  gesehen;  13  sehen;  II.  15,  9  sähen;
13  sach  (VII.  12,  33  sach;  39  silit;  XI.  13,  39  sihe).  Ferner
11.  15,  1—4  gleich  11  —14;  III.  11,  14  enbiutet;  21  enbiut.  In
IV.  12,  1.  2  und  9.  10  ein  analoger  Gedanke  in  analoger  Wendung ­
  (semeltchen  aus  dem  vorangehenden  werden,  alsus  aus
dem  vorangehenden  biderber  zu  verstehen);  12,  1.  13  werden
reiben;  12,  7.  11  herze.  Auch  in  V  am  Schlüsse  der  Anfangsgedanke ­
  wiederholt  und  11,19  trüt;  20  triuten.  VI.  inne  werden
12,  IG.  22.  ungcehiu?  gälten  18.  20.  VIII.  homen  14,  28.  36.
IX.  gevallen  13,  4.  8.  Fast  möchte  man  vermuthen,  dass
künstlerische  Absicht  dahinter  stecke.
Wenn  also  der  Wortschatz  nicht  gross  ist,  so  leidet  die
Syntax  doch  keineswegs  an  Eintönigkeit.  Die  lose  aneinander
gereihten  Sätze  des  ersten  Gedichtes,  jeder  Satz  ein  Langvers
oder  auch  nur  eine  Waise,  hat  Meinloh  bald  verlassen.  Man
vergleiche  ausgebildetere  Perioden  wie  II.  15,  5—10;  V.  14,
14—21;  XI.  13,  35—39.
Der  geistige  Gehalt  seiner  Strophen  lässt  sich  von  einem
Punkte  aus  umfassen  und  auf  gewisse  Gruppen  bringen,  welche
ihrerseits  bestimmten  sprachlichen  Erscheinungen  entsprechen.
Preis  der  Geliebten  (oder  im  Munde  der  Dame  des  Geliebten). ­
  Sie  ist  eine  edeliu  frouwe  12,  31.  Der  Dichter  hat
sie  loben  gehört  11,  1  ;  sie  ist  guot  ze  lobenne  12,  35.  Sie  ist
der  besten  eine  11,  9  (was  die  Form  eine  anlangt,  so  vergl.
Rugge  106,  33  dekeine  im  Reim  auf  eine  scheine  meine).  Gehäufte ­
  Adjectiva:  schäme  unde  biderbe,  dar  zuo  edel  unde  guot
(15,  1.  2),  und  nochmals  (15,  11.  12)  sist  edel  und  ist  schäme,
in  reliter  mäze  gemeit,  auch  anderwärts  (13,  7)  ie  schcener  und
ie  schcener.  Sie  ist  scelec  zallen  eren  13,  9.  Sie  hat  keine  Fehler
an  sich  12,  35.  Von  speciellen  körperlichen  Vorzügen  wird  nur
der  Augen  gedacht,  aber  auch  nicht  sowohl  der  Schönheit  als  des
            
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