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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Kant  und  die  positive  Philosophie.

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arbeitung  der  Thatsachen  kommt  wirkliche  Wissenschaft  zu
Stande.
Es  ist  nicht  schwer,  in  obiger  Stelle  den  Keim  dessen
zu  linden,  was  der  Urheber  der  positiven  Philosophie  als  subjective
  und  objective  Methode  bezeichnet  hat.  Jene  verfährt
unabhängig  von  den  Thatsachen  der  Erfahrung  a  priori,  diese  im
engsten  Anschluss  an  dieselben  a  posteriori.  Wenn  die  erstere
nur  aus  sich  selbst  statt  aus  der  Erfahrung  schöpfend,  aus
unbewiesenen  Voraussetzungen  deducirt,  aber  auf  diesem  Wege
auch  nur  willkürliche  Gebilde,  Einbildungen  statt  Erkenntnisse
zu  Stande  bringt,  so  genügt  der  letzteren  die  bloss  gelehrte
Ansammlung  vereinzelter  Thatsachen  nicht,  ihr  Streben  geht
dahin,  allgemeine  Gesetze  aus  diesen  zu  induciren.  Wissenschaften, ­
  deren  Objecto  übersinnliche  und  so  der  Erfahrung
unzugänglich  sind,  können  nur  nach  apriorischer,  solche,  deren
Objecte  sinnliche,  also  der  Beobachtung  zugänglich  sind,  sollen
nur  nach  aposteriorischer  Methode  behandelt  werden.
Die  Möglichkeit,  auch  nach  apriorischer  Methode  behandelt ­
  werden  zu  können,  ist  dadurch  nicht  ausgeschlossen.  Der
logische  Normalzustand  der  Wissenschaften  vom  Sinnlichen  ist
die  Behandlung  derselben  nach  streng  aposteriorischer  Methode.
Der  logisch  anormale  Zustand  derselben  ist  die  Behandlung  des
Sinnlichen  nach  der  für  das  Uebersinnliche  ausschliesslich
passenden  Methode  d.  i.  der  apriorischen.  Dieser  verglichen
mit  jenem  ist  als  ein  unvollkommener  anzusehen,  den  die
logische  Forderung  in  jenen  umzuwandeln  gebietet.  Derselbe
wird  aber  naturgemäss  in  der  Geschichte  der  Wissenschaft  als
der  frühere  auftreten,  da  sich  der  vollkommene  Zustand  aus
dem  unvollkommenen  herausbildet.
Dieser  Gedanke  enthält  das  Neue  der  positiven  Philosophie. ­
  Dasselbe  liegt  nicht  darin,  dass  die  aposteriorische  Behandlung ­
  der  Wissenschaften  vom  Sinnlichen  als  die  logisch
vollkommenste  gepriesen  wird,  was  längst  Bacon  gethan  hat.
Das  Neue  besteht  darin,  dass  darauf  hingewiesen  wurde,
die  Wissenschaft  vom  Sinnlichen  habe  diesen  normalen  Zustand, ­
  wenn  überhaupt,  nicht  plötzlich,  sondern  alhnälig  und
nach  einer  Reihe  von  Vorstufen,  die  unvollkommenere  Phasen
derselben  darstellen,  erreicht.  Die  positive  Philosophie  fasst
die  Geschichte  der  Wissenschaft  vom  Sinnlichen,  oder  besser
            
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