Deutsche Studien. II.
457
er frouwen dienen kan! Theoretisch entwickelt er, was dazu
gehört, und das Conventionelle darin tritt scharf hervor. Aber
alle Spitzfindigkeit, alle Dialektik, alles Geistreiche liegt ihm
noch fern. Die Weichheit der Seele ist nur äusserlich angenommen.
Er ist ein Mann, wie sie in den Kürenbergsstrophen
erscheinen, nur mit dem modischen Firniss des trürens und
der seneden sioaire überzogen. Erst in IX glaubt man den
Anaphern und Hyperbeln und dem Reimschmuck anzufühlen,
dass das Glück seine Seele in wahrhaften Schwung und aufrichtige
Erregung versetzt hat. Und ebenso ehrlich klingt der
Zorn des zehnten Gedichtes, und im letzten, wo es galt, im
Namen der Dame ihre Empfindungen im Gegensätze zu anderen
Frauen zu schildern, die sie beneiden, da greift er auf die
alten Wendungen zurück, welche gewiss die Frauen selbst für
dieses Verhältniss ausgebildet hatten und wovon denn auch
andere volksthümliche Dichter Gebrauch machten. Er lässt sie
sagen (13, 27): Mir erwelten miniu ougen einen kindeschen man:
daz nident ander frouwen ; vergl. 37, 13 ich erkös mir selbe
einen man ; den erwelten miniu ougen. daz nident schcene frouwen
(4, 30 daz nident ander vrouwen). Daran schliesst sich in
beiden Gedichten der gegensätzliche Gedanke ,ieli habe ihnen
nichts gethan', der nur jedesmal verschieden ausgedrückt und
verschieden gewendet wird: 13, 30 ich hän in anders niht
getan; 37, 17 jo engerte ich ir deheiner trütes niet. Meinloli
fährt fort: wan ob ich hän gedienet daz ich diu liebeste bin (die
pronominale Beziehung lässt Meinloh gerne aus, hier im, wie
11, 19 ir); vergl. 4, 8 got wizze (Meinloh 13, 23 weit got) rool
die wärheit, daz i’me diu holdeste bin. In derselben anonymen
Strophe nennt die Frau ihren gesellen, eine Bezeichnung,
welche Meinloh schon vermeidet, einen kindeschen man (4, 10),
was Meinloh hier XI und VIII (14, 35) an wendet. Aber
gerade hier kommt auch der alte männliche Pferdefuss zuin
Vorschein; der Dichter kann es nicht lassen (wie der in
10, 17 f.) sich seiner Erfolge bei Damen zu rühmen (13, 35 f.).
Meinlohs Sprachschatz ist nicht reich und seine Gedankenproduction
nicht mannigfaltig. Das ouge z. B. kommt
in verschiedenen Wendungen innerhalb der elf Strophen fünfmal
vor (11, 11. 12, 33. 39. 13, 27. 15, 9), die tugent desgleichen
fünfmal (11, 3. 20. 13, 10. 14, 23. 32). Die neue Welt