Deutsche Studien. II.
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einem Ritter von Kürenberg erfunden. Dessen echte Gedichte
sind uns wohl sämmtlicli verloren; wir müssen uns dieselben
volkstümlicher als die erhaltenen, mehr in der Art der Strophe
MF. 3, 17—25 denken.
Die pseudo-kürnbergische Sammlung enthielt ursprünglich,
wie ich glaube, noch nicht den Dialog 8, 9—16. Sie bestand
aus 14 Strophen, welche, sieben auf einer Seite, gerade ein
Blatt von dem Formate der Nibelungen-Liederbiicher füllten.
Die neun ersteu rühren von Frauen her, die fünf letzten von
Männern.
Heinzei schreibt mir über meine Argumentation, betreffend
die Autorschaft des Kürenbergers: ,Ich kann hier nur
zu einem non liquet kommen oder zu einer anderen Wahrscheinlichkeit.
Das Gedicht 8, 1 wurde doch von der Dame
oder von dem Dichter in der Person der Dame gedichtet, um
gesungen, d. i. vorgesungen zu werden. Es verklingt ja auch
nicht in der Einsamkeit ihrer Kammer, sondern der Geliebte
hört es und antwortet. Wie geht das zu? Sie kennt ihn ja
nicht, sie weiss ja nicht, wer es war, der unter vielen, die sie
nur hören, nicht sehen konnte, durch schönen Vortrag der
Kürenberg’schen Melodie ihr Herz gewonnen hat. Wenn sie
diesem angeblich Unbekannten ihr Lied doch vorsingt oder
Vorsingen lässt, so liegt die Vermuthung einer Fiction sehr
nahe. Sie thut, als wisse sie nicht, wer der Sänger gewesen,
sie muss also ihr Lied, durch das sie ihm ihre Neigung kundgeben
will, so einrichten, dass er aus den Angaben über jenen
Sänger merkt, er sei gemeint. Diese Angabe ist: in Kürenberges
ivise, gleich passend, mag der Betreffende selbst der
Kürenberg gewesen sein oder ein Anderer, der ein Kürenbergisches
Lied sang. Hübscher freilich, wenn das erstere
der Fall war. Dass das Lied, das sie gehört, für sie bestimmt
gewesen, ist nach ihrer Ausdrucksweise ganz unwahrscheinlich,
es gehört also nicht zu der Gruppe 8, 1; 9, 29. Warum sie
demnach die Kürenberges wise gewählt haben sollte, ist nicht
abzusehen, und wir stehen mit dem Namen vollkommen im
Dunkeln/
Dass das Lied, welches jener Ritter nächtlich sang, für
die Dame bestimmt gewesen sein müsse, habe ich nicht behauptet.
Das Lied braucht ebensowenig für die Dame bestimmt